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Rest in Peace, Reader.

14. März 2013

Einmal im Jahr passiert es und irgendwo rastet ein Google-Verantwortlicher aus. Er springt keifend und sabbernd durch sein Büro. Einmal im Jahr passiert es und der Typ mit der durchgebrannten Sicherung im Kopf reisst das Telefon an sich, schreit einen armen, kleinen Mitarbeiter zusammen und teilt selbigem mit, dass das so alles nicht weitergehen kann.

Wir müssen rationalisieren! Verdammt nochmal rationalisieren!

Chef zum Mitarbeiter: „Du guckst Dir jetzt alle unsere Dienste an und killst den ganzen überflüssigen Unrat! Mit scheißegal was! Nur MACH!“

Der arme Google Mitarbeiter verfällt in eine Schockstarre und aufgrund akut eintretender Sauerstoffarmut in seinem Denkorgan springt der kleine Arbeiter keifernd, sabbernd und angstgeplagt durch sein Büro und macht sich an die Arbeit. Er greift zum Telefon und ruft seinen Praktikanten an: „Hömma! Chef sacht, wir müssen den Scheißhaufen hier rationalisieren! Haben zu viele Dienste und den Dicken pisst das total an. Ich soll das hier jetzt delegieren und deshalb informier‘ dich mal, was hier geschreddert werden kann, Junge! Heute noch! Mir is‘ scheißegal was! Nur MACH! Ich will Ergebnisse!“.

Dem Praktikanten klingeln beide Ohren, da er sich ohnehin nicht mit dem Unternehmen identifiziert und eigentlich überhaupt keine Ahnung hat, was Google so macht. Er ist lediglich aus dem Grunde anwesend, da seine Schule ihm ein 4 wöchiges Praktikum vorschreibt, welches er nun gelangweilt ableistet. Der Praktikant nimmt den einfachen Weg und schaut sich die Liste mit den Google-Diensten an.

„Hm! Das ist ja alles chronologisch geordnet“ denkt er sich. „Ich lese am besten mal von unten nach oben.“
„Okay. Google Suche – ich glaub, dass is‘ bestimmt irgendwie wichtig. Das lassen wir mal da.“
„Reader? Kenn ich nich – nie gehört. Zum Lesen gibts doch das iPad und diesen Kindle… ich finde eh, dass Lesen total kacke is. Schließlich gibts Fernseher und so.“

Er notiert sich Reader auf dem Post-It und ruft bei seinem Vorgesetzten an:

Praktikant: „Ich glaub, der Reader kann weg, Chef“
Mitarbeiter: „Was? Den Reader?! Bist du denn vollkommen besch..“

Er erstarrt, da sein Chef plötzlich mit hochrotem Kopf in der Tür auftaucht und auf seine Rolex tippt.

Mitarbeiter zum Praktikanten am Telefon: „Wart ma eben, Junge!“

Der Mitarbeiter wendet sich seinem Vorgesetzten zu: „Ha…hallo Chef. Sie hier? Das freut mich. Was kann ich für Sie tun?“
Chef: „Ich warte hier jetzt seit über sieben Minuten auf eine Entscheidung. Was treiben Sie hier eigentlich? Ich bin es bald leid mit Ihnen.“
Mitarbeiter: „Ab… aber Chef. Ich bin doch dabei. Ich befinde mich in diesem Moment in einer Telefonkonferenz unserer Marketingexperten und wir debattieren darüber, welches Produkt den geringsten Nutzen aufweist.“
Chef: „Mir ist scheißegal, ob Sie gerade mit dem Weihnachtsmann oder dem Papst telefonieren. Ich werde jetzt wieder in mein Büro zurückgehen. Wenn ich mich in meinen Stuhl setze, will ich eine E-Mail inklusive Entscheidung vorliegen haben. Wenn nicht, schrubben Sie hier ab Morgen die Toilette. Haben wir uns verstanden?“
Mitarbeiter: „Ab.. a… aber natürl….“
Chef: „OB WIR UNS VERSTANDEN HABEN?!“
Mitarbeiter: „Ja, Chef. Natürlich.“

Der Chef verlässt das Büro des Mitarbeiters und murmelt etwas, dass verdächtig nach „Arschloch“ klingt.

Der Mitarbeiter wendet sich hastig wieder dem Praktikanten zu: „Junge! Schalt ab die Scheiße! MACH!“

Der Praktikant deaktiviert den Reader, der Mitarbeiter schreibt seine Mail.

Anders als oben beschrieben kann ich mir diese Entscheidung nicht erklären. Google deaktiviert den Reader zum 1. Juli 2013. Das ist schlimm, denn ohne zu übertreiben ist der Reader für mich das mit kilometerweitem Abstand wichtigste Tool im Internet, um mich zu informieren (und zu bilden). Ich habe weit über 300 Feeds abonniert und alles über Jahre hinweg fein säuberlich kategorisiert. Webseiten, insbesondere Blogs, manuell nach Infos abzugrasen ist höchst unproduktiv und der Reader ist einer der Gründe, weshalb ich Google stets so sehr lobte.

Wenn ich einen Post, ein Tutorial, eine Grafikressource für wichtig, lesenswert oder was auch immer befinde, favorisiere ich den Eintrag, um später darauf zurückzugreifen, oder ich konsumiere die Einträge direkt am PC, am Handy, auf dem Tablet. Generell gibt es keine vernünftige Alternative, um Informationen zu verwalten. Lesezeichen schonmal gar nicht. Ich hoffe, dass sich jemand bis zum Juli hinsetzt und eine Alternative entwickelt zu der ich sämtliche Feeds übertragen kann. Des Weiteren hoffe ich, dass diese Alternative dann auch von Feedreadern wie Press, Reeder, oder was auch immer zusammenarbeitet. Gibt es eventuell schon sowas in der Art? Falls ja, her mit den Infos. Aber bitte kommt mir nicht mit Read-Later Zeug, Evernote oder anderweitigem Blödsinn. Das funktioniert alles hinten und vorne nicht. Google+ funktioniert für sowas auch nicht, Facebook sowieso nicht.

Ich denke, der Reader wird aufgrund von Google Currents abgeschossen. Currents ist ja im Grunde das Gleiche, nur (leider) in Magazinform und darüber hinaus vollkommen unübersichtlich und schlecht. Ich habe versucht mit Currents zu arbeiten und bin gescheitert. Wie auch immer. Es hat sich wohl um eine nicht gewollte Dopplung der Services gehandelt.

Ich verfluche diese Entscheidung zutiefst.

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10 Discussion to this post

  1. Caption SuperStar Mc Awesome sagt:

    Auch wenn ich den Reader selten benutzt hab, war es doch ein guter Dienst. Unverständlich warum dieser nun beendet wird…

  2. Captain SuperStar Mc Awesome sagt:

    Der Idiot vor mir kann nicht mal captain schreiben ^^

    Hast du dich schon nach Alternativen umgeschaut ??

  3. TheDude sagt:

    Hab das gestern auch mit Erschrecken festgestellt. 300 Feeds ist ja noch im Rahmen.. meinen Inhalt willst Du gar nicht erst sehen. Alleine der vfx Folder umfasst über 400 Abos.

    Ich gehe zwar stark davon aus, dass Alternativen geschaffen werden, nur ob diese so fantastisch und zuverlässig funktionieren, bezweifel ich stark. Noch habe ich die Hoffnung allerdings nicht aufgegeben, dass sich die Gestalten umentscheiden werden…

  4. Manuel sagt:

    Super Dialog am Anfang – habe gut gelacht. Zum Reader: Es wird etwas neues, besseres kommen. Irgendwer lässt sich schon was einfallen und bis zum 1. Juli ist es ja noch eine Weile. Positiv denken und bis dahin versuchen den Praktikanten ausfindig zu machen, der für den Mist verantwortlich ist!

  5. Kid6 sagt:

    Reader wird abgeschaltet? Sind die irre?

  6. M.Baumgartner sagt:

    Das wichtigste Merkmal von Google Reader war, dass es eine zentrale Anlaufstelle für jede Plattform gewesen ist. Egal ob man vor dem Computer saß, mit dem Tablet auf dem Sofa lag oder unterwegs mit dem Smartphone nachschaute: Google Reader zeigte einem die Nachrichten, die man noch nicht gelesen hatte. Die meisten RSS-Reader haben aus diesem Grund auch Google Reader im Hintergrund als zentrale Verwaltungsstelle verwendet und haben nun natürlich ein großes Problem. OPML subscription list syncronisation wird benötigt. Das leisten die ganzen Reader aus dem Spiegelartikel nicht.

  7. Philipp sagt:

    Timo du hast eine blühende Fantasie – insane! Ich benutz den Reader auch, zwar erst seit kurzem weil mein kleines 13″ Macbook in die Knie geht wenn ich im Safari sage „alle Lesezeichen in Tabs öffnen“. Der Lüfter pustet das mir das Toupet wegfliegt und der Flashplayer müllt mich mit Fehlern zu. Mein Programmierer-Arbeitskollege testet gerade „fever“ das installst du auf deinem Webspace. Ich bin davon noch nicht so überzeugt. An Google kommt es nicht ran…

    Ich könnte mir noch vorstellen das Google die Entscheidung noch einmal überdenkt wenn tausende Reader User mit brennenden Fackeln und Mistgabeln vor der Zentrale stehen und drohen die Bastie zu stürmen. Kostet doch nix das einfach weiter plätschern zu lassen.

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