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Polyvinylchlorid

8. April 2013

Polyvinylchlorid. Das ist das Zeug aus dem Schallplatten hergestellt werden. Schallplatten hingegen sind die Dinger, auf dem seit ca. 1948 Musik gespeichert wird. Meine Freundin und ich sammeln Polyvinylchlorid, schließlich existiert kaum etwas grandioseres auf unserem Planeten, DENN:

Dieser Welt geht mehr und mehr ein wahrlich fantastisches, kulturelles Gut verloren. Die Identifikation mit Bands, oder die Auseinandersetzung mit Musik im Allgemeinen. Musik ist seit jeher unbeschreiblich tolle und künstlerisch wertvoll. Seit einigen Jahren verwandelt sich diese Kunstform jedoch zu einem eher dümmlichen Massenprodukt ohne jeglichen Sinn und Verstand. Die Leute interessieren sich nicht mehr für das Drumherum, es spielt keine Rolle mehr, warum sich Musiker zusammentun und warum sie genau diese oder jene Musik machen. Es ist irrelevant geworden, wie viel Herzblut in den Schaffensprozess eines Albums eingeflossen ist. Musiker sind irrelevant geworden. Musik ist irrelevant geworden.

Die heutige Generation ist nicht mehr dazu im Stande Dir mitzuteilen, welche Band sie aus welchem Grunde gut findet. Auf ihren iPods befindet sich letztlich „irgendetwas“, das cool klingt. Von wem nun genau dieser Song stammt, ist vollkommen egal. Es spielt auch keine Rolle mehr, wie die Albencover aussehen und aus welchem Grunde sie so aussehen, wie sie aussehen. Und so wurde der iTunes Store ins Leben gerufen. Wichtige Kriterien sind unter anderem „billig“, „eingänglich“ und möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu besitzen. Alben, die älter als 3 Jahre sind, gehören gelöscht. Sind schließlich alt und zeitgleich gibt es wiederum 400 neue Veröffentlichungen im iTunes Store, die ähm.. neuer sind. Und natürlich automatisch besser, da sie… nunja, aktueller sind, als der alte Dreck von vor 3 Jahren.

Ich will das nicht. Stephie will das auch nicht. wir möchten Beide etwas haben, das langlebig ist. Etwas, das man antatschen kann, etwas, das man sich ins Regal stellt, etwas.. das geil aussieht, gut klingt und unbeschreiblich teuer edel ist: Polyvinylchlorid.

Deshalb kauften wir uns heute Folgendes bei einem freundlichen Herrn, mit dem wir demnächst zum Desertfest gurken werden:

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Zusammengefasst sind das folgende Platten:

  • Kvelertak – Meir (2×Vinyl, Album, 12″, 180 gramm)
  • Dozer – In the tail of a comet / Madre de dios (Limited 200 copies black vinyl 3-LP set housed in 350 gms TRIPLE-FOLD sleeve. Four previously unreleased bonus tracks (C2 to D1 + F3) included.)
  • 1000 Mods – Super Van Vacation (Gatefold picture sleeve. Pressed on red marbled and yellow marbled 180 grams translucent vinyl. Each copy is individually hand numbered. Limited to 100 copies)
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15 Discussion to this post

  1. Cpt.Chaos sagt:

    ich hasse dich. Ernsthaft!!!

    Und die Meir ey… wo kaufst Du die Platten? Das sind alles so godlike Kapellen =(

    • Timo Vorwald sagt:

      also eBay kannste in die Tonne treten. Entweder holste Dir die Platten direkt beim Label oder schaust bei Discogs.

      Ich befinde mich darüber hinaus noch in der glücklichen Situation, einen MediaMarkt in der Nähe zu haben, der bei Metalkram äußerst nette Preise zu haben scheint. Das Angebot von dem Laden ist sowieso töfte. Schon immer gewesen.

      Haben uns dort letztens die Koloss von Meshuggah geholt. Amazon war wesentlich teurer.

  2. Doc Snyder sagt:

    Der Text ist SO gut und (leider auch) SO wahr!!

  3. Philipp sagt:

    Ich finde Vinyl auch geil obgleich ich andere Musik bevorzuge. Meine All-Time-Hitparade habe ich auf Scheibe! Die Artworks seit jeher eine Lieblingsdisziplin von Künstlern und Designern.

  4. 2014 sagt:

    […] mir von den beglichenen Rechnungen einen rational nicht zu rechtfertigenden Plattenspieler, einen ganzen Arsch voller Vinyls, eine zweite Philips LivingColor, zwei […]

  5. Christoph sagt:

    Den schlimmsten Grund, warum Musik so irrlevat geworden ist und jeder Hanz Franz doppelnoob die scheiß Bands pushen heißt Spotify! Klar, hab da auch schon neue Sachen entdeckt, aber wenn Musik zu jeder Zeit immer und überall uneigeschränkt zur Verfügungsteht geht das nicht gut. Keiner ist mehr bereit einen guten Preis zu zahlen. Geschweige sich mit der Musik die er hört auseinander zusetzen oder noch drastischer, sich damit ernsthaft damit zu identifizieren. Keine nimmt sich die Zeit Musik zu hören. Sondern läßt sich nur voll dudeln.Ich habe Spotify gekündigt und höre meine Musik von der Platte (Google Music. KEIN ALL ACCESS. Ist der gleiche Mist). Und ja ich sammel auch Vinyl. Nur ich Frage mich, warum die scheiße immer teurer wird, warum es keine neuen Plattenläden gibt, wenn Vinyl so gehypt wird und die Presswerke aus allen Nähten platzen!?

    Alle regen sich über die Scheiße mit U2 auf. Aber das das seit Spotify schon immer in einem kleineren Umfang passiert kriegen die meisten nicht auf die Kette.

    • Timo Vorwald sagt:

      Sehe ich anders 🙂
      Ich hab mich seit einigen Wochen auch dazu überwunden, bei Spotify mitzumachen. In erster Linie wegen der Arbeit – um dem Amoklauf vorzubeugen. Und natürlich ist das ein völlig anderes Hörverhalten, als ich ggf. zuhause habe. Denn dort dient das Ganze dann nicht bloß als Berieselung. Aber wieso sollte man Streaminganbieter kategorisch verteufeln? Wenn es kein Spotify gäbe, würde sich der potentielle Helene Fischer Hörer auch keine Vinyl von Pearl Jam ins Regal stellen – schlimmer noch – die Wahrscheinlichkeit, dass er jemals etwas von Pearl Jam’s Existenz mitbekommen geht gegen Null 😉

      Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob Streamingdienste den Verkauf von Platten so sehr stark beeinträchtigen. Ich glaube eher, dass die Anbieter Musik wieder ein bisschen populärer gemacht haben. Ich z.B. finde öfters Zeug, dass ich nicht kenne, und kauf mir später die Platte dazu, weil ich erst durch Spotify den Impuls dazu bekommen hab. Wahrscheinlich bin ich da aber wirklich auch nur einer von ganz ganz wenigen.

      Warum Vinyl immer teurer wird kann ich Dir auch nicht sagen,… ich glaub das soll nen Premium-Charakter erhalten. Ist zum kotzen… aber das flacht in den nächsten Jahren eh wieder ab, wenn die Billoturntableplayer von den ganzen Hipstern den Geist aufgeben und die aufhören, sich Platten zu kaufen 😀

      • Christoph sagt:

        Dem potentielle Helene Fischer ist Vinyl kein Begriff und auch Pearl Jam ist ihm egal. Er hört eben Helene Fischer. Und entdecken wird er trotz Spotify auch keine urbanen Neuheiten und klassichen Bands. Eben wegen spotifies Empfehlungs-Algorithmen. Dih würde es ja auch ankotzen, würdest du die neusten Schalger Hymnen in den Empfehlungen haben.

        Du bist nicht der Einzige, auch ich habe mit sicherlich 10-20 Scheiben Aufgrund von Spotify geholt. Gut ist das. Aber der eigentliche Musikcharakter, dass was Musik zu etwas einzigartigem macht geht verloren. Nicht für dich, du bist ein Liebhaber von Musik. Auch schon vor Spotify. Aber eben die, denen Musik vorher schon rein und raus ging, wird das immer normaler immer oberflächlicher und ja, auch egal. Hauptsache der Bass pumpt, die Texte sind eingägnlich und stumpf und man muss nicht soviel nachdenken. Oder gar umdenken. Was meist mit neuer Musik ein Problem ist.

        Das die Vinyl Verkäufe beeindrächtig werden hab ich nicht gesagt, sonder generell darauf hingewiesen, dass wir Vinylkäufer regelrecht gemolken werden. Warum wird die scheiße nicht billiger wenn der Absatz so stark nach oben geht?! Lobby? Apple? Spotify?! Man weiß es nicht.

        • Timo Vorwald sagt:

          Ganz ehrlich? Ich glaub, das Ganze hat eher was mit dem Internet im Allgemeinen zu tun und lässt sich nicht an Spotify ausmachen. Bereits vor dem Streamingsenf hatte jeder zu jeder erdenklichen Zeit zugriff auf zig milliarden Bands. Und jede einzelne Band hatte die Möglichkeit, die Welt mit ihrem Zeug zu erreichen.

          Als ich klein war, vor hundert Jahren, gab es das nicht. Da ist man mit dem Fahrrad 10km in einen Plattenladen gefahren, um sich dort mit neuem Zeug zu befassen. Man hatte also explizit einen Plan. Und wenn man dann was gefunden hat – meinetwegen auch aufgrund der Empfehlungen des Plattenladenbesitzers – dann hat man genau diese eine Platte rauf und runter gehört. Tage- und Wochenlang. Später haste Dir dann ne neue Platte geholt.

          Ich kann an zwei Händen abzählen, welche Alben mir wirklich etwas bedeuten. Nicht deshalb, weil sie besser oder schlechter waren als die heutigen Releases, sondern weil ich mein halbes Leben damit geteilt habe und jede einzelne Textzeile und jeden einzelnen Akkord im Gehirn abspielen lassen kann.

          Heute geht keiner mehr in den Laden, sondern hat instant Zugang zu 50 Billiarden Alben. Da mögen auch gute Sachen zwischen sein, aber der jenige wird sich niemals so exzessiv damit auseinandersetzen, wie wir es vielleicht früher gemacht haben.

          Scheiss Internet. 🙂

        • Christoph sagt:

          Ja Internet. Dann kannst du das auch auf andere Dinge wie Film, serien und andere digitalen Konsumgüter projezieren. Damit hast du vollkommen recht. Spotify bleibt trotzdem fern von meinem Rechner und Smartphone.

        • Timo Vorwald sagt:

          Is‘ ja auch vollkommen okay.
          Wenn es irgendwann portable Plattenspieler zu kaufen gibt, schmeiß ich Spotify auch runter 🙂

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