Musik verlangt nicht viel von Dir – einzig Deine ungeteilte Aufmerksamkeit, welche Du ihr gerne schenkst, sofern innerlich noch Leben in Dir blühen sollte und Du Dich noch nicht komplett den gesellschaftlichen Anforderungen gebeugt hast. Mehr noch – Du opferst ihr darüber hinaus Deine Seele, ohne dass jemals danach gebeten wurde.

Musik verspricht Dir absolut nichts und dennoch schenkt sie Dir alles. Sie lässt das Leben aus Dir sprudeln, tritt Dir mit aller Gewalt in den Arsch und zerrt Dich unaufhaltsam aus jedem noch so tiefen Sumpf. Auf der anderen Seite schärft sie Deinen Verstand, inspiriert Dich in jeder nur erdenklichen Form, treibt Dich zu kreativen Höchstleistungen an und holt Dich ebenso stetig mit aller Gewalt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Musik kann all das bei Dir hervorrufen, Du musst Dich nur darauf einlassen.

Eine Band, welche für mich all diese Eigenschaften in sich vereint, ist Katatonia. Ein archialisches Monster, voller Komplexität, unübertrefflicher Tiefe, atemberaubender Songstrukturen und beileibe dem genialsten Stimmtalent, den diese Welt wohl jemals hervorgebracht hat – Und das seit nunmehr 21 Jahren. Katatonia veränderten sich in dieser langen Zeit stetig und bedienten eine Vielzahl von Genres. Diese Vielfalt erstreckt sich dabei vom Black Metal (laut Band wohl eher Gothic Funeral Metal), über Dark Metal hin zum Doom. Um 1998 erschloß sich die Band schließlich mit dem Album Discouraged Ones dem Progressive Metal, setzte die Growls lediglich noch als Stilmittel ein und konzentrierte sich vordergründig auf cleanen Gesang, welcher ursprünglich vom ehemaligen Background-Sänger Jonas Renkse übernommen wurde. In den vorherigen Jahren stand stets Mikael Åkerfeldt („Opeth“ wie hoffentlich bekannt sein sollte) am Mikro und sorgte für die tieferen Frequenzen. In den nachfolgenden Jahren wurde Katatonias Musik immer experimenteller und ließ sich nicht mehr wirklich dem Progressive Metal zuordnen. The Great Cold Distance spielt meiner Ansicht nach beispielsweise komplett im Prog-Rock Genre, ohne Ausflüge jeglicher Art. Mit der Night Is The New Day änderte sich das Ganze zwar erneut, aber wir wollen hier ja nun wirklich keine Pfennigfuchserei betreiben. Fakt ist, Katatonia waren zu absolut jeder Zeit Pioniere auf Ihrem Gebiet und absolut Eigenständig. Egal was die Schweden auf die Beine stellten, alles war im jeweiligen Genre-Typus gesehen perfekt, makellos und ohne jegliche Konkurrenz.

Und nun, um eben jener Band zu ehren, besuchten Stephie und meine Wenigkeit am 02.12.2012 die Live Music Hall in Köln. Sonntag hin oder her – Der Wochentag mitsamt Jahreszeit bzw Witterungsverhältnisse hatte keinerlei Bedeutung. Wir hatten die Chance Katatonia zu sehen, also haben wir die Möglichkeit wahrgenommen (gelinde gesagt eine Eigenschaft, die ich in meinem Freundeskreis mehr und mehr vermisse). An der Music Hall angekommen machten sich bereits innerlich einige Bedenken breit, denn ich fürchtete mich davor, von dem was mich dort gleich erwarten sollte enttäuscht werden zu können. Ich konnte nicht so wirklich glauben, dass Katatonia ihre Songs tatsächlich auch nur annähernd so gut live umsetzbar konnte, wie ich sie von CD kenne. Bereits nach der ersten Vorband Junius wurden diese Bedenken allerdings schon ein wenig gedämpft. Im Normalfall sind Vorbands (insbesondere die Erste) meist weniger ansprechend und obwohl ich noch nie von Junius hörte, gefiel mir, was ich dort sah und hörte. Von Alcest war ich dann schließlich regelrecht begeistert. Ebenfalls noch nie zuvor gehört – dennoch genial. Die Band packte mich komplett – Ich wollte nicht, dass sie jemals aufhören zu spielen und dennoch taten sie es nach rund einer Dreiviertel Stunde. Nun betrat nach längerer Wartezeit Katatonia auf die Bühne. Jonas Renkse war fetter als gedacht. Ich war ein wenig verwirrt – Wahrlich kein hübscher Kerl. Ein Gesicht besaß er nicht, lediglich noch mehr schwarze Haare, zwischen denen hin und wieder seine Nase durchschimmerte. Wie gesagt, ich war verwirrt. Als das erste Lied angespielt wurde und er den ersten Ton aus seinem riesigen Sprachorgan von sich gab, verstummte die Menge und war auf der Stelle gebannt. Meine anfänglichen Bedenken waren wie ausgelöscht – Das war Katatonia!

Bereits nach wenigen Minuten verschmolz die Halle zu einer einzigen Einheit aus Musikverehrern. Es herrschte Stille, neben uns drehte ein seltsamer Typ (im Filzmantel bekleidet) komplett durch und sorgte mehr und mehr für Erheiterung. Katatonia war absolut perfekt und ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich in meinem ganzen Leben noch kein besseres Konzert sehen durfte. Katatonia spielt wirklich in einer ganz eigenen Liga und das, was die Jungs dort ablieferten, war mit nichts zu vergleichen was ich zuvor gehört habe. Es tut mir wahrlich leid für all die Leute, die Katatonia noch nicht live erleben durfte (oder nicht live erleben wollen).

Der Boden bebte. Ein anderthalbstündigees Feuerwerk aus Hass, Leid, Verzweiflung, Hoffnung, Schönheit und vollkommener Anmut mit Melodien die Ihresgleichen suchen. Der Abend war absolut gelungen und leider viel zu schnell wieder vorbei! Ich liebe diese Band – brauche nichts anderes mehr.

Dueling circles, holds the only light
Break down my perspective
Notify everyone when the time is right
My mouth remains

// Deliberation