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Saints Row: The Third

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Wenn mich einer fragt, was denn mein Spiel des Jahres 2011 ist, denke ich mir “Saints Row: The Third” und sage “Battlefield”. Ich hätte es echt nicht erwartet und hab mir das Ding eigentlich nur gekauft, weils billig war und nen Kumpel vor Ewigkeiten meinte, das ihm Saints Row 2 sehr gefallen hat. 

Das Game lag dann zugegebenermaßen einige Tage still in der Ecke und gammelte vor sich hin. Als ich dann aber Besuch bekam und wir uns einen Zeitvertreib für den Abend suchten, dehnte sich selbiger zeitlich gesehen fast bis in die Mittagsstunden des nächsten Tages. Ich lache selten bei Videogames, da der Humor zum Großteil echt flach und vorhersehbar ist. Bei Saints Row ist der Humor aber wirklich (gewollt) so unbeschreiblich flach und stumpf, dass es einfach nur ein Fest ist. Das komplette Game ist so vollends überzogen, krank und stumpf, dass wir teilweise feiernd auf dem Boden lagen.

Es geht eigentlich schon mit der Charaktererstellung los. Man passt seinen Char nach Belieben an, kleidet ihn ein und sägt ein bisschen an den Gesichtszügen. Eventuell verpasst man ihm/ihr noch grüne, pickelige Haut, Hängetitten, Führerbärtchen, rosa Tütü und dreht zum Schluß noch am Sexappealregler, der für die Ausbuchtung des Gemächts zuständig ist, bis man letztlich zur Sprachauswahl gelangt. Dort lässt sich wählen zwischen drei männlichen Stimmen, zwei weiblichen und äh. “Zombie”.

Wir wählten natürlich Zombie, was zur Folge hat, dass man in sämtlichen Cutscenes oder anderweitigen Spielgelegenheiten nur noch Rülps, Grunz und Würgelaute zu hören bekommt. Das interessante dabei ist, dass diese Laute auch exakt so untertitelt werden und man eigentlich gar nichts mehr von der Story (die ohnehin nur purer Klamauk ist) mitbekommt. Naja gut, die Story ist ohnehin peripher :D Nach ca 4 Stunden haben wir unseren Char dann irgendwann mal zum plastischen Chirurgen (ja,.. wirklich) geschickt, da uns das Gewürge doch irgendwie auf den Senkel ging, nur um dann festzustellen, dass der Zombiemode ganz schnell wieder her muss! Überhaupt habe ich noch nie eine solch immense Zeit im Charakterbildschirm verbracht wie bei Saints Row.

Letztlich sind wir dann bei einem ca. 70 jährigen Adolf Hitler Verschnitt mit Riesendildobaseballschläger, Windel, Naziuniform, Totenkopftattoos, rosa Kätzchenrucksack und High-Heels gelandet. Ach, und Zombiestimme. Regelmäßig lagen wir vor Lachen auf dem Boden, wenn unser Held in diversen (mehr oder weniger seriösen) Cutscenes auftaucht und seine Weisheiten von sich gibt, während die restlichen Protagonisten aufmerksam seinen Worten lauschten. Das Gesamtbibld ist einfach so unbeschreiblich grotesk, dass es kaum beschreibbar ist.

Wer jetzt denkt wie krank und bescheuert das alles ist, hat definitiv noch nicht den Rest des Spiels gesehen. Dort potenziert sich der Stumpfsinn dann noch mal bis ins Unendliche und das Ganze natürlich stets kilometerweit unter der Gürtellinie. Mal rennt man komplett nackt als Flitzer durch die Stadt und bekommt Punkte dafür, sein Gemächt den Passanten zu präsentieren, ein anderes mal läuft man als Kloschüssel (!) durch die Gegend oder man muss sich die Kontrolle eines Nuklearbombers erkämpfen, der irgendwo auf einem Parkplatz einer Grundschule sein Dasein feuert. Die Missionen sind dabei alles andere als langweilig,.. im Gegenteil. Ehrlich gesagt hatte ich in fast keinem Spiel ein solches Verlangen danach herauszufinden, was als nächstes passiert. Die generelle Absurdität der Missionen steigert sich dabei von mal zu mal und man fragt sich nach spätestens 3 Stunden “was zur Hölle soll jetzt noch passierei?!”. Und es passiert was,.. und das was passiert ist noch viel bekloppter als der Strunz zuvor.

Ich könnte hier jetzt Romane verfassen,.. will ich aber nicht da es enorm den Spielspaß zermatern würde. Aber eins sei gesagt: Das Game zertrampelt den Genrekönig GTA um Längen und ich finde beim besten Willen keinerlei Negativpunkte. Es ist bisher noch keinen Deut langweilig geworden und sein Geld mehr als Wert. Ich hab es mir letztlich sogar doppelt gekauft, da es unbedingt noch für den PC her musste. Da wird das Ganze dann nochmals mit dem unbestimmten Wert N multipliziert. FullHD, DirextX 11, Coop Mode und baldige Modifikationen.

Eins noch: Die Radiosender sind grandios! Wo bei GTA grösstenteils langweiliger Brei läuft, ertönt bei “Saints Row: The Third” absolut übelstes Deathmetalgeschrubbe, Kanye West, Mötley Crüe, Run DMC, Mos Def, Deftones, deadmau5, und ca. tausend weitere Kapellen :D Bei uns lief aber bisher größtenteils der “Partysender K21″. Nicht weil die Musik dort gut wäre,… eher weil die Musik dort am besten zum Rest des Spiels passt. Die Macher haben definitiv Geschmack.