The game requires you to have a Rocksmith Real Tone Cable in order to play. […] other guitar input devices will take audio from your electric or bass guitar, Rocksmith only supports the Real Tone Cable.Ubisoft

Ganz ehrlich? Das war nun endgültig das letzte Mal, dass ich diesem Publisher mein Geld in den Schlund geschmissen habe. Ich freute mich wirklich enorm auf das Game, aber Ubisoft hat es mal wieder bravourös hinbekommen, dass die anfängliche Euphorie beim ersten Start von Rocksmith in schier undefinierbare Aggressionen und Gewaltphantasien umschlug.

Was genau ist das Problem daran, dem musikbegeisterten Spieler die eigenständige Entscheidung zu überlassen, ob er

  1. sein vorhandenes, seit Jahren bewährtes, wunderbar funktionierendes, aber auch teures, sowie qualitativ hochweritges (Studio-) Audio Interface zum Anschluss seiner Gitarre nutzen möchte, oder
  2. das im Pflicht-Lieferumfang enthaltene, weniger gute, aber auch räudige Kindergartenspielzeugkackepissearsch Drecks Real Tone Cable, welches aller Wahrscheinlichkeit nach von drei besoffenen Mormonen auf Crack im direkten Anschluß einer 6-wöchigen Scientology Gehirndefragmentierung in irgend einem gottverhasstem Kuhkaff jenseits Kowloon Walled City in grippalem Zustand zusammengezimmert wurde

nutzen möchte?

Bei einem Spiel, welches sich dem Thema „Musik“ widmet und breitärschig als „[…] the next step in the evolution of the guitar video game“ beworben wird und dabei auf die Verwendung von echten Gitarren ausgelegt ist, gibt es ziemlich genau ein (!) Kriterium, welches auf Deubel komm raus gewährleistet sein muss: Gute Latenz. Also,… richtig gute Latenz.

Mit meinem vorhandenen Audio Interface habe ich eine großartige Latenz – nämlich eine, die nicht spürbar ist. Genau diese Eigenschaft ist seinerzeit das (Haupt-)Kaufkriterium gewesen, denn ich wollte mit meinem PC recorden und via Amplitube meinen Gitarrensound live modellieren und fröhlich rumexperimentieren. Dabei handelt es sich übrigens um das Focusrite Sapphire 24 DSP und das Ding ist ganz wunderbar.

Nun liegt hier Rocksmith vor mir, welches im Grunde genau das Gleiche machen soll – wenn auch auf spielerische Art und Weise. Es wäre also mehr als naheliegend, auf bereits existierende Hardware (sofern vorhanden) zuzugreifen und damit ein tolles Spielerlebnis zu ermöglichen. Dazu müsste man nur kurz die Spieloptionen aufrufen, das supergute Interface wählen und schon wäre alles ganz großartig und schön und dufte. Eine derartige Funktion bietet ohnehin fast jedes Spiel und es ist ja ansich nichts besonderes.

Ein solcher Menüpunkt existiert in Rocksmith nicht.

Bei Rocksmith gibt es ein eigenes Audio Interface: Das ist ein kleiner, eckiger Knubbel aus Plastik, der im Kabel verwurstet wurde, ca. so groß wie ein Feuerzeug. Auf der Oberseite von dem Ding steht Ubisoft. Vorne befindet sich die große Klinke, hinten ein USB Stecker.

Wenn man diese beiden Stecker nun sachgemäß in die dafür vorgesehenen Buchsen einführt und das Spiel startet, ändert sich abrupt der Gemütszustand ins Negative. Kurze Zeit später ist man leider gezwungen, dass Spiel wieder zu beenden und einen Blogeintrag über den nicht vorhandenen Spielspaß zu verfassen und seine Mitmenschen davor zu warnen, nicht den selben Fehler zu begehen und 70€ für diese Scheiße zu bezahlen.

Es lagt. Es lagt unglaublich. Die Latenz macht einfach alles kaputt. Selbst nach 4 stündigem totgoogeln in irgendwelchen Foren, bleibt das Problem bestehen. Ihr müsst euch vorstellen:

Eine Note kommt angeflogen. Ihr wisst genau, wann ihr die Saite anschlagen müsst, trefft den Zeitpunkt zu 100% perfekt und verkackt dennoch, da das Spiel das Audiosignal zeitversetzt erhält. Nach elendigen Tests habe ich herausgefunden (was eigentlich auch logisch ist, da auf diese Weise nichts von der Soundkarte getaktet werden muss), dass es Vorteile bringt, sämtliche digitalen Übertragungswege im Audio zu entfernen und auf analoge Übertragung zu setzen. Dumm nur, dass ich dann quasi bei jeder Rocksmith Partie erstmal die Kabellage umzuppeln muss, wozu ich, gelinde gesagt, nicht unbedingt bock habe. Gut, der Lag wird dadurch zwar besser, ist aber noch immer spürbar. Im Spiel selbst existieren noch Einstellungen zur Synchronisierung von Audio & Video, sowie zur „Feinjustage“ der Latenz. Das ist nen Regler, den man nach ganz links drehen kann. Dann ist laut Ubisoft die Latenz bei „1“. Ja, eins. Eine Sekunde? Millisekunde? Aha?

Eine Latenz von „1“ latentiert hingegen noch immer merklich. Alles Mumpitz. Das Problem ist und bleibt dieses wenig erotische Kabel, welches leider Gottes nicht nur ein Kabel ist.

Uuuuuh, Raubkopierer!

Ubisoft gehört ja bekanntlich zu der Sorte von Publishern, die beim Begriff „Raubkopie“ augenblicklich blutunterlaufene Augen bekommt und sich deren äußere Hirnrinde im Anschluß daran abzupellen beginnt. Deshalb „sichert“ Ubisoft seine Produkte maximal gut. Manchmal sogar so gut, dass selbst Menschen, die ein Original gekauft haben nicht ins Game gelangen. Anno 1503 war da so ein Beispiel. Ubisoft ist es offenbar auch völlig schnurz das sie quasi pausenlos die Community gegen sich aufbringen. Hauptsache ihr „Produkt“ ist sicher.

Ich denke bei Rocksmith verhält es sich nun ähnlich und dieses *hüstel* Real Tone Cable stellt quasi einen Hardwarekopierschutz dar, denn ohne original Kabel lässt sich das game nicht betreiben. Wirft man mal einen flüchtigen Blick zu Thomann, wird man schnell feststellen, dass man vergleichbare Kabel bereits für 6€ bekommt. In erster Linie verdient Ubisoft nun an den Dingern, in zweiter Linie dient es als „Dongle“ und hält die bösen bösen Raubkopierer fern. Und genau das ist der Grund, warum Rocksmith nicht zu anderen Komponenten kompatibel ist.

Das Ding ist, für Rocksmith wird eine E-Gitarre benötigt und ich denke nun eher weniger, dass sich Jugendliche extra aufgrund des Games eine solche zulegen werden. Ausnahmen gibt es zwar immer, aber das wäre schon äußerst bekloppt und grenzdebil. Die Hauptzielgruppe dürften somit diejenigen sein, die bereits eine E-Gitarre besitzen. Und mal im ernst: Menschen, die eine E-Gitarre ihr Eigen nennen, haben wohl mit ziemlich angrenzender Sicherheit auch ein Kabel! Ubisoft hätte somit auch einfach einen Klinke-USB-Adapter mit nem kleinen Verstärker beilegen können, besser noch optional. Letztlich ist es ja nur von Nöten, das Gitarrensignal irgendwie in den Rechner zu bekommen und auszuwerten.. es geht schliesslich nicht um die Klangqualität, sondern um das Timing beim Anschlag der Saiten. Ich weiß nicht,… mir riecht das wirklich zu sehr nach dem Unternehmen mit dem angebissenen Apfel.

Ich jedenfalls habe mir ein Latenzfreies Gitarrenspiel gewünscht (nein, ich habe es vorrausgesetzt) und deshalb auch die PC-Version gewählt. Wenn man das Geschrei im Netz verfolgt, gibt es die Problematik bei den Konsolenvarianten ebenfalls. So macht es jedenfalls keinen Spaß und ich hoffe, dass bald irgend ein Mod erscheinen wird, der vernünftige Hardware zulassen wird.

Momentan tüftel ich schon seit Stunden an Asio4All herum. Sofern ich da irgendwas auf die Reihe kriegen sollte, werde ich es an diesen Post hier anhängen. Bis dahin: Spart eure Kohle.