Manchmal verlasse ich mein Haus, beispielsweise um einzukaufen.
Zum Einkaufen muss ich in den Supermarkt.

Damit sich mein momentaner Befindlichkeitsort nun ändern kann, bin ich darauf angewiesen mit einem Fortbewegungsmittel meiner Wahl eine fest definierte Strecke ( A ↔ B ) zu überbrücken. Meist fällt meine Wahl dabei auf das Auto. Warum jetzt gerade das Auto? Nun, weil ich faul bin.

Während meiner zugegebenermaßen entfernungsmäßig beschränkten Distanzüberbrückung sehe ich innerhalb von geschätzten 5 Minuten mehr menschliches Elend, als ich wirklich ertragen möchte. Ich spreche jetzt bei der Erwähnung des Begriffs „Elend“ nicht von „armen Menschen“ oder gar „kranken Menschen“ – nein, ich spreche in diesem Fall von der grenzwertigen Komplettverdummung unserer Spezies.  Es ist jetzt 19 Uhr und ich habe mir eben aus meinem Auto, vorm Kreisel stehender Weise angesehen, wie sich drei völlig betrunkene 15 jährige vor der Polizeiwache aus Spaß geprügelt haben. Also eigentlich haben sich nur zwei dieser Personen geprügelt. Die dritte Person stand daneben und hat das Ganze filmisch mit einem Handy (oder was auch immer) gefilmt, fotografiert oder weiß der Teufel. Nach diesem doch recht verwunderlichem Akt purer Sinnlosigkeit stand der Verlierer vom Boden auf und trat wutentbrannt gegen seine halb volle Bierdose, welche daraufhin in hohem Bogen auf die Straße flog. Hätte an dieser Stelle ein Fahrzeug gestanden, wäre nicht nur die Dose zerkratzt gewesen.

Irgend jemand hat daraufhin wohl etwas aus seinem Auto gebrüllt, so dass sich der dosenschießende Idiot dazu genötigt fühlte, dem Kritiker doch beide Mittelfinger zu präsentieren und sich währenddessen zu beömmeln. Das Handy filmte in diesem Moment weiter. Mehr habe ich von diesem grandiosen Schauspiel leider nicht mitbekommen.

Immer wenn ich an Situationen dieser Art teilnehmen darf, bzw. teilnehmen muss, frage ich mich ernsthaft „was läuft eigentlich verkehrt?“ Und ich finde niemals eine Antwort darauf. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass ich mich drei Tage zuvor mit meinem Chef unterhalten habe. Es ging dabei um die nicht-Einstellungen potentieller Azubis/Mitarbeiter. Leute, die es einfach so dermaßen beim Bewerbungsgespräch verbocken, dass eine Anstellung überhaupt nicht denkbar wäre. Vor einigen Jahren sah das Ganze wohl alles noch nicht so finster aus.

Woran liegt das?

Anderes Beispiel: Sofern ich mich Abends tatsächlich mal dazu herablasse den Fernseher einzuschalten, dauert es meist nicht lange bis ich das anfängliche Vorhaben wieder verwerfe. Ich bin ja bekanntermaßen ein totaler Fan von Trash und sinnbefreiten Dingen, aber das was mir in diesem Medium geboten wird, lässt einfach mal die Gesamtheit meiner Synapsen verkrampfen.

Weiteres Beispiel: Wieso verdienen sich Musiker Menschen Idioten mit so grandiosen Künstlernamen wie DJ Düse, Tim Toupet, Peter Wackel oder Mickie Krause mit der hinterletzten Scheiße dumm und dämlich? Wieso haben diese Personen mehr Geld, als Musiker die Tag und Nacht an der perfekten Melodie feilen und monate/jahrelang an einem Album arbeiten und wirklichen Gehirnschmalz daran verbraten? Ich denke nicht, dass Herr Düse für dieses musikalische Produkt länger als 30 Minuten seiner Lebenszeit opferte.

Ich gehe auch davon aus, dass Herr Düse sich noch nicht einmal im Klaren darüber ist, wo genau der Unterschied zwischen Dur & Moll liegt. Desweiteren behaupte ich, dass Herr Düse den Magix Musicmaker in Verbindung mit irgendeiner verranzten Sample CD aus der hintersten Ecke eines x-beliebigen Elektromarktes, als die Krönung der akustischen Vollkommenheit ansieht.

Es wäre ja auch absolut in Ordnung, wenn Herr Düse während seiner Freizeit im heimischen Partykeller diesem Schund zusammenkloppt. Nicht mehr in Ordnung ist es aber spätestens dann, wenn andere Menschen Idioten (vgl. Bild) dieser Amöbe Geld in den Schlund kippen, damit Herr Düse mehr von seinem ewig gleichblebenden, monotonen Dreck in die Welt blasen kann. Die Krone der Peinlichkeit erlangen anschließend noch die TV Sender, die den Scheiß anschließend öffentlichen, so dass NOCH MEHR Gehirntote erreicht werden. Es ist tatsächlich so, dass Aggressionen in mir aufsteigen wenn ich Veranstaltungen dieser Art in irgendeiner Weise zu Gesicht bekomme. „Guck halt nicht hin!“ könnte man jetzt vielleicht sagen… klar, das würde ich auch nicht tun, wenn es denn möglich wäre. Es gibt echt Momente, da kann solchen Traurigkeiten nicht aus dem Weg gehen. Bestes Beispiel: Kirmes / Jahrmärkte.

Ich liebe es, mich in irgendwelche Fahrgeschäfte zu setzen und nicht zu wissen, ob mich das Ding jetzt komplett zermürbt oder nicht. Ich mag es, mir die Leckereien irgendwelcher Buden anzuschauen und mir das ein oder andere (überteuerte) Schmackofatz zu kaufen. Find‘ ich super. Ich bin auch Autoscooterfan. Wenn man dann aber aber stellenweise Morddrohungen an den Kopf geschmissen bekommt, sofern man sich herablässt ein anderes Auto zu rammen oder meine Mutter aus selbigen Gründen plötzlich eine Missgeburt sein soll… ja, dann hört es irgendwo auch mal auf und der Spaß vergeht einem recht schnell.

Damals waren wir doch auch nicht so grenzbeschränkt. Klar, hatten wir auch so manch zerstörerischen Moment und wir haben Dinge getan die nicht unbedingt in irgendwelche Erziehungsratgeber gehören… trotzdem ist das alles nicht mit der heutigen Situation zu vergleichen. Ich kann mich beispielsweise nicht daran erinnern, mitten in der Woche um 19 Uhr betrunken vor der Polizeiwache mein Dasein gefristet zu haben. Generell sehe ich nur noch Leute rumhängen. Die Heranwachsenden Idioten rennen Freitags gegen 23 Uhr zum REWE, kaufen sich harten Alkohol und setzen sich auf eine 50m entfernt stehende Bank. Ende.

Warum ist das so?

Ich denke, einer der wichtigsten Faktoren für diese Intelligenzknappheit ist der mediale Overkill und das Überangebot von Aktivitäten und Möglichkeiten, die der „neuen“ Generation vor die Füße gekippt wird. Dieser Overkill führt letztlich dazu, dass eine Sache/ein Vorhaben innerhalb kürzester Zeit einer anderen Sache weicht, sich gar nicht im Detail mit der Sache auseinandergesetzt wird (und selbige deshalb schnell an Geilheit verliert), oder überhaupt gar nicht erst begonnen wird. Durch das Überangebot von Möglichkeiten müssen sich die einzelnen Anbieter stetig selbst übertreffen und die Angebote werden cooler, krasser, schneller, besser und toller. Was am Ende übrig bleibt ist eine substanzlose Masse, welche eine perfekte Reflexion der neuen Generation darstellt: Ein äusserlich saucooles Etwas mit ähnlich viel Gehalt wie ein liegengelassenes Toastbrot.

Viele kapitulieren dann bereits im Vorfeld, sind unterbewusst völlig überfordert (Leistungsgesellschaft yippie) und setzen sich dann letztlich doch lieber Freitags mit einer Flasche Wodka auf die Bank vorm Altenheim, um zu pöbeln und öffentlich Koks zu konsumieren.

Quasi eine „Ich schmeiß dann mal kurz das Handtuch“-Reaktion.

Ich bin mir halt ein wenig unsicher, wie das Ganze denn einmal endet. Vor 50 Jahren gab es ähnliche Gedanken und diese Gedanken waren sicherlich begründet. Vor 20 Jahren gab es ebenfalls Gedanken dieser Art und auch diese waren begründet. Die ganze Entwicklung wird allerdings zunehmend „ungemütlicher“, so dass ich ehrlich gesagt arge Bedenken damit habe, einmal Kinder in die Welt zu setzen. Ich gehe zwar noch nicht soweit, dass ich Vorhaben dieser Art als „verantwortungslos“ bezeichnen würde,… jedoch finde ich, dass man sich ggf. länger als 15 Minuten darüber Gedanken machen sollte. Ich mein,.. in 20 Jahren sitzt die heutige Generation in militärischen Anlagen in denen es womöglich einige rot blinkende Knöpfchen mit Radioaktiven Symbolen darauf gibt.

Das könnten dann im schlimmsten Fall sogar die Leute sein, welche sich Dienstags um 19 Uhr besoffen vor der Polizeidienststelle prügeln und mit Dosen auf Autos werfen.

Mein Wort zum Sonntag.

Bin ich der Einzige, der so denkt bzw. sich generell Gedanken über das Thema macht?
Was meint Ihr, woran liegts?

Ich würde mich freuen, wenn Ihr hier in den Kommentaren antworten würdet, damit alle etwas davon haben.