Neulich kaufte ich *pieeeep* für die PS4, obwohl ich kaum Interesse an dem Titel hatte. Gamestop hatte das Game für zwei Stunden falsch im Online Store verlinkt und so erhielten die Käufer des Season Passes (20$) den Code für die Vollversion (59$) und Käufer der Vollversion einen Code für den Season Pass.  Das war sehr schön und zum Glück wies mich @tommyfare gerade noch rechtzeitig darauf hin. Einige Tage später wurde dann zusätzlich noch seitens Sony der Season Pass (den ich ja ursprünglich kaufen wollte *hust*) auf meiner Playstation freigeschaltet. Großartig. Der entsprechende Gamestop-Mitarbeiter wurde sicherlich gesteinigt, gevierteilt und im Wald verscharrt, aber das ist für mich völlig in Ordnung, weil Gamestop sowieso doof ist.

Wie auch immer. Das Game stammt vom polnischen Entwickler-Studio Techland, die sich vor einiger Zeit bereits mit *pieeepsinsel* und Call of Juarez einen Namen machen konnten. *piepsinsel* habe ich selbst gespielt und war auch recht gut unterhalten. *krrchh pieep* ist quasi der indirekte Nachfolger, mit relativ identischem Setting. Zombieapokalypse!

Nunja. Im Grunde existiert auch eine echte Story, die auf der anderen Seite aber völlig egal ist und wohl niemandem vom Hocker hauen wird. Man spielt einen Herrn Crane, US-Spezialagent natürlich, und der wird über der türkischen Stadt Harran aus einem Flugzeug geschmissen, um für die Hilfsorganisation GRE eine total wertvolle (!) Akte (!!) zu besorgen. Kurz nach dem Abwurf in die zombieverseuchte Zone wird man gebissen und ist fortan auf ein Anti-Verzombifizierungs-Mediakament namens Antizin angewiesen. Anschließend wird Crane von einem Überlebenstrupp aufgegabelt. Als Dankeschön übernimmt er dann ganz viele total wichtige Aufgaben, die ihm andere total wichtige und unwichtige Leute, auftragen. Daneben gibt es dann natürlich noch einen psychopathischen Warlord und all solche Sachen. Kennt man.

Was *pieeeep* aber wirklich auszeichnet ist die Tatsache, dass wir hier keinen 0815-Openworld-Shooter haben, sondern einen wirklich innovativen Shooter mit großem Parcour-Anteil. Quasi eine Mischung aus *drrrrsch piepsinsel* und Mirrors Edge. Und das Ganze in einer offenen Welt, die von vorn bis hinten im Coop begehbar ist. Und genau das, meine Damen und Herren, ist absurd spaßig. Junge junge, ihr könnt euch gar nicht ausmalen, WIE gut das alles funktioniert.

Die Spielmechanik ist bombe. Das Sounddesign ist bombe. Es gibt hektoliterweise Blut, ihr könnt Extremitäten abtrennen, Zombies zusammentreten, gemeinsam eine Molotov-Party feiern, skillen und leveln ohne Ende, looten bis der Arzt kommt und euch zigtausendmilliarden (!) unterschiedliche Waffen zusammenklöppeln. Tischbeine werden mit Nägeln erweitert, an Äxte bastelt ihr Elektronikkrempel, Polizeiknüppel werden mit Flammenwerfern gekreuzt und hier und da findet sich vielleicht auch mal ein Schwert oder eine abgesägte Schrotflinte. Dazu gesellen sich haufenweise Nahkampftechniken, die sich nach und nach freischalten lassen. Dropkicks, Groundslams oder Rutschattacken sind nur einige davon. Man lernt, sich nach Sprüngen aus großen Höhen auf dem Boden abzurollen oder einige Meter an der Wand nach oben zu rennen, um weiter entfernte Sprossen zu ergreifen. Und wenn die Zombiemassen mal zu groß werden sollten (und das passiert sehr sehr schnell), weidet ihr einfach einen Zombie aus und schmiert euch mit dessen Innereien ein. So können die anderen Viecher euch nicht mehr sehen und torkeln grunzend an Crane vorbei.

Was tagsüber noch relativ erträglich ist, wird bei anbrechender Nacht zur Qual, denn wenn die späte Stunde in *pieeeep* eingeläutet wird, gibts ordentlich auf die Glocke (habt ihr dieses geschickte Wortspiel mitbekommen? Ja? Gut!). Die Zombies werden aggressiver und es gesellen sich eine ganze Reihe anderer „Rassen“ hinzu: Bolter, Demolisher, Goons, Screamer, Volatiles. Ein Vieh ist gefährlicher als das andere und man gerät hin und wieder in exorbitant ekelhafte Bedrängnis. Dann hilft nur noch wegrennen und die anschließende Flucht in sogenannte Safezones: Das sind mit Natodraht abgesicherte Gebiete, die zuvor „gesäubert“ und erobert werden müssen. Rennt man nachts durch die Pampa und hat keine Safezone in der Nähe, klopft gerne mal Gevatter Tod an die Tür. Für den Run in diese Zonen empfiehlt es sich, möglichst viele Fallen zu platzieren, beispielsweise durch modifizierte Autos, große Lichtwerfer auf den Straßen, Elektrozäune und und und. Die Möglichkeiten sind wirklich grandios und es wirkt nie aufgesetzt oder lieblos ins Game reingeklatscht.

Von der Spielmechanik würde ich *pieeeep* allen ernstes das Prädikat perfekt aufdrücken. Selten habe ich ein so butterweiches, gut funktionierendes Gameplay erlebt. Die Steuerung ist sehr komplex geht dennoch innerhalb kürzester Zeit in Fleisch und Blut über. Ähnliches habe ich zuletzt beim Remake von 3D Realm’s Sha*krrchch* W*krrrrrrr*io*drrrrrr* erfahren, das ihr euch im übrigen auch unbedingt kaufen solltet. Vom Klettersystem könnte sich Ubisoft auch nach dem 17ten Ableger von Assassins Creed noch 5-6 Scheiben abschneiden. Wenn vor euch ein Vorsprung zu sehen ist, schafft ihr es mit großer Sicherheit auch, diesen zu greifen und fallt nicht sinnloserweise in den Abgrund. Der Grappling Hook, den man im weiteren Spielverlauf findet, kann auch so einiges und verschafft dem Game einen weiteren Reiz. Mit dem Ding zieht ihr euch an Gebäuden hoch, entdeckt abgelegene Orte oder ihr rammt den Zombies das Teil einfach so in die Felge, um selbige im Anschluß unter Zuhilfenahme eines Dropkicks von der Straße zu räumen.

Der Multiplayer ist fantastisch und mit das Beste, was ich in der vergangenen Zeit erlebt habe. Alles, wirklich ALLES lässt sich im Coop durchrocken und genau das ist der Hauptgrund, warum *pieeeep* für mich so aus dem ganzen Brei hervorsticht. Gerade deshalb, weil der Multiplayer so bockt, haben wir innerhalb der Gruppe (@tommyfare, @planetjumble und ich) vereinbart, auf keinen Fall alleine zu spielen. Somit kann ich über den Singleplayer auch kein Wort verlieren. Aber who cares.

Also: Wenn ihr auch nur im entferntesten etwas mit der Materie anfangen könnt und wirklich mal einen richtig spaßbringenden und innovativen Shooter mit euren Freunden zocken wollt, solltet ihr euch das Game schnellstmöglich besorgen. Ich hatte lange Zeit nicht mehr soviel Unterhaltung mit einem Spiel. Grafisch ist das ganze Ding wirklich allererste Sahne. Allerdings ist der Gewaltgrad tatsächlich abartig hoch und kratzt stellenweise schon an der Perversions-Grenze. Aber hey… es ist ein Zombiegame. Das muss so sein. Die Sache mit den Zombiekleinkindern, die man mit Genickbrüchen aus der Welt befördert, hätte Techland sicher allerdings tatsächlich sparen können.

Update: Inzwischen hat die Bonner Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) *pieeeep* dann auch im Schnellverfahren auf den Index gesetzt. Korrekter: Die Behörde hat nach § 23 (Absatz 5) des Jugendschutzgesetzes die vorläufige Indizierung angeordnet. Damit darf das Spiel unter anderem nicht mehr sichtbar beim Spielehändler ausliegen, sondern nur noch auf Nachfrage durch Erwachsene herausgegeben werden. Deshalb habe ich hier dann auch mal ordentlich rumgepiepst und auch die Screenshots entfernt.