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Islam Allahgie

21. Januar 2015

Es ist immer wieder aufs Neue interessant zu beobachten, welche Bildungsmissstände in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft dazu führen, dass sich haufenweise intelligenzinvertierte Dumpfbacken dazu veranlasst sehen, sich versammeln zu müssen und gegen einen Feind zu wettern, dem sie noch nie begegnet sind. Und das Ganze unter der „Herrschaft“ eines offensichtlich grenzwertig bescheuerten Oberhauptes. Irgendwie riecht das alles ein bisschen nach der Zeit vor Hitlers Machtergreifung.

Aus der Unzufriedenheit mit sich selbst, erwächst der Hass auf das Fremde, als Ablenkung, um sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu befassen. Ein imaginärer Feind wird auserkoren und mit aller Kraft bekämpft. Ein Ventil, oder wie auch immer man das beschreiben will. Unsere wunderbare Medienberichterstattung, sei es nun RTL oder Bild, erledigt schließlich den Rest, indem ständig und dauerhaft intransparent über den Islam, Kopftücher, wild-um-sich-ballernde-nicht-deutsche oder weiß der Teufel gesendet wird. Komplexitätsreduktion ist das Privileg der Privaten. Schließlich muss der fettleibige Dschungelcamp-Fan in seiner nikotinvergilbten Wohnhöhle zwischen Fliesentisch und Tiefkühllasagne das Ganze auch geistig verarbeiten können. Bloß nicht zu viele Infos, lieber auf das Wesentliche beschränken. Alles quillt über vor kognitiven Dissonanzen und jede einzelne Berichterstattung bestätigt nur dass, was sowieso alle hören wollen.

Und auf einmal steht da ein Lutz Bachmann in der Glotze vor einem potentiellen Millionenpublikum, lamentiert fröhlich vor sich hin und scharrt innerhalb kürzester Zeit eine exorbitant große Gefolgschaft hinter sich zusammen. Unser kleiner Österreicher hätte sich damals bestimmt über solch wundervolle Möglichkeiten gefreut. Schöne neue Welt.

Lutz Bachmann unter ungünstigen Lichtverhältnissen. (Foto: Arno Burgi/dpa)

Lutz Bachmann unter ungünstigen Lichtverhältnissen. (Foto: Arno Burgi/dpa)

Letztlich stehen sie dann da. In Reih‘ und Glied. Die Pegidioten. Und sie schreien, geifern, brüllen, singen, halten Schilder hoch und retten das Abendland vor der fremden Bedrohung. Alles ist völlig okay – das eigene, verachtenswerte Handeln relativiert sich durch die Masse. Das Einstehen für eine verkorkste, fragwürdige Ideologie verteilt sich auf jedes kleine Individuum innerhalb der Gruppe. Und plötzlich scheint ist es alles überhaupt gar nicht mehr so schlimm, sondern total patriotisch und sinnvoll und die Anderen tun ja alle das Gleiche, in der kleinen, verstrahlten Pegidawelt.

Die Tatsache, dass der Feind überhaupt nicht existent ist (schließlich sind nur 2,5% der Einwohner Dresdens ausländischer Herkunft und gerade mal 0,1% der Dresdner Einwohner überhaupt Muslime), spielt keine Rolle mehr. Stunk machen und seinen eigenen Ärger freien Lauf lassen, dass ist alles was übrig bleibt. Frustrationsdezimierung auf Kosten Anderer.

Ich für meinen Teil fühle mich ganz mies dabei, wenn ich auf die Entwicklung der letzten Monate zurückblicke. Mir kommt im wahrsten Sinne des Wortes die Galle hoch. Ständig lese ich hirnverbrannte Hasstiraden von geistig degenerierten „Islam-Kennern“, die ihre Bildung ausnahmslos vom Sofa aus genossen haben. Ich behaupte nicht, dass ich mich mit dem Islam auskenne. Im Gegenteil. Der Islam ist mir scheißegal. Genauso wie das Christentum, die Quantenphysik oder linksdrehende Milchkulturen. Aber mir ist bisher noch keine „Randgruppe“ so dermaßen auf die Eier gegangen, dass ich dafür meinen Allerwertesten auch nur im Ansatz, im Winter (!),  auf die Straße geschleppt hätte. Und bei den miesgelaunten Ösis kann das eigentlich auch nicht anders sein, weil es da hinten so gut wie gar keine Muslime gibt. Höchstens im Fernsehen.

Wir sollten damit anfangen, die Entwicklungen der vergangenen Zeit als Realsatire zu betrachten und pausenlos unsere Witze darüber machen. Dann verfliegt eventuell die Ernsthaftigkeit und die tatsächliche Bedrohung von all dem. Zum Glück werden wir dabei aber stark unterstützt – von der Pegida und Onkel Bachmann himself. Der fotografiert sich nämlich gerne mal mit schniekem Scheitel und Bärtchen und postet seltsame Sachen im Internet. Und sowas gräbt Anonymous dann aus und postet es wiederum auf Twitter. Und dann tritt der gute Lutz auch noch zurück. Sowas aber auch.

War wohl doch kein ungünstiger Mikrofonschatten.

Also. Habt Spaß mit den niedlichen Schnullernazis und macht eure Witzchen. Am besten qualitativ hochwerte, wie die von Sulaiman Masomi.

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6 Discussion to this post

  1. Unerreichtes sagt:

    Guter Artikel. Aber Nazi ist zu einfach. Wahre Gefahr geht von den Mitläufern einer gewissenlosen Kleinbürgerschicht aus.

  2. Tobias Hahn sagt:

    Großartig! Wird geteilt, sowohl Artikel als auch Video 🙂

  3. Dirk Linnemann sagt:

    Aus der Ferne, also aus Wien, beobachte ich das Treiben meiner Landsleute. Besonders in meinem Heimatland Sachsen und mir wird übel dabei. Kann es wirklich so viele Arschlöcher auf einen Haufen geben? Menschen, die anstatt nachzudenken, sich die Meinung von kriminellen Idioten diktieren lassen? Anscheinend ja.

    Voller Hass, voll von Angst. Dabei, um das Beispiel Sachsen zu nehmen, liegt der Ausländeranteil bei etwa 2,5 %, davon sind 0,1% Bürger mit muslimischen Glauben. Und Sachsen hat gut 4 Millionen Einwohner. Es ist einfach nur zum Speiben und man schämt sich für seine Heimat. Danke für den Artikel! Es braucht mehr davon!

  4. Leser sagt:

    Der Islam, das Christentum und sämtliche andere Religionen sind mir im Grunde wurscht – das ist Privatsache der Leute. Die können ja ruhig vor sich hin religionieren, aber andere damit in Ruhe lassen.

    Das bedeutet aber, dass niemand von Bimmeln der Kirchenglocken oder vom Ruf des Imam genervt werden sollte.
    Das bedeutet aber auch, dass niemand zum Tragen eines Kopftuches gezwungen werden darf, und sei es nur durch sozialen Druck.
    Das bedeutet aber auch, dass ganz sicher keine Patrouille in Wuppertal umherwandert und anderen Leuten schariakonforme Verhaltensregeln nahelegt.
    Das bedeutet aber auch, dass niemand wegen des Bildes eines Gebäudes (welches erst Kirche, dann Moschee war und jetzt ein Museum ist) auf einer Seifenpackung einen Shitstorm entfacht, bis der Seifenanbieter aus Schamgefühl das Produkt vorzeitig & übereilt vom Markt nimmt.

    Und das bedeutet ganz sicher auch, dass keine Cartoonzeichner wegen eines Bildes einer fiktiven Person umgebracht werden.

    • Tralala sagt:

      Wurde schon erwähnt, das Charlie Hebdo nun von den Rothschilds übernommen wurde 😀 Das wird auch lustig. Ab jetzt mit noch mehr Anti-Moslem-Inhalt, dafür aber keine Judenwitze mehr.

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