Es ist immer wieder aufs Neue interessant zu beobachten, welche Bildungsmissstände in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft dazu führen, dass sich haufenweise intelligenzinvertierte Dumpfbacken dazu veranlasst sehen, sich versammeln zu müssen und gegen einen Feind zu wettern, dem sie noch nie begegnet sind. Und das Ganze unter der „Herrschaft“ eines offensichtlich grenzwertig bescheuerten Oberhauptes. Irgendwie riecht das alles ein bisschen nach der Zeit vor Hitlers Machtergreifung.

Aus der Unzufriedenheit mit sich selbst, erwächst der Hass auf das Fremde, als Ablenkung, um sich mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu befassen. Ein imaginärer Feind wird auserkoren und mit aller Kraft bekämpft. Ein Ventil, oder wie auch immer man das beschreiben will. Unsere wunderbare Medienberichterstattung, sei es nun RTL oder Bild, erledigt schließlich den Rest, indem ständig und dauerhaft intransparent über den Islam, Kopftücher, wild-um-sich-ballernde-nicht-deutsche oder weiß der Teufel gesendet wird. Komplexitätsreduktion ist das Privileg der Privaten. Schließlich muss der fettleibige Dschungelcamp-Fan in seiner nikotinvergilbten Wohnhöhle zwischen Fliesentisch und Tiefkühllasagne das Ganze auch geistig verarbeiten können. Bloß nicht zu viele Infos, lieber auf das Wesentliche beschränken. Alles quillt über vor kognitiven Dissonanzen und jede einzelne Berichterstattung bestätigt nur dass, was sowieso alle hören wollen.

Und auf einmal steht da ein Lutz Bachmann in der Glotze vor einem potentiellen Millionenpublikum, lamentiert fröhlich vor sich hin und scharrt innerhalb kürzester Zeit eine exorbitant große Gefolgschaft hinter sich zusammen. Unser kleiner Österreicher hätte sich damals bestimmt über solch wundervolle Möglichkeiten gefreut. Schöne neue Welt.

Lutz Bachmann unter ungünstigen Lichtverhältnissen. (Foto: Arno Burgi/dpa)

Lutz Bachmann unter ungünstigen Lichtverhältnissen. (Foto: Arno Burgi/dpa)

Letztlich stehen sie dann da. In Reih‘ und Glied. Die Pegidioten. Und sie schreien, geifern, brüllen, singen, halten Schilder hoch und retten das Abendland vor der fremden Bedrohung. Alles ist völlig okay – das eigene, verachtenswerte Handeln relativiert sich durch die Masse. Das Einstehen für eine verkorkste, fragwürdige Ideologie verteilt sich auf jedes kleine Individuum innerhalb der Gruppe. Und plötzlich scheint ist es alles überhaupt gar nicht mehr so schlimm, sondern total patriotisch und sinnvoll und die Anderen tun ja alle das Gleiche, in der kleinen, verstrahlten Pegidawelt.

Die Tatsache, dass der Feind überhaupt nicht existent ist (schließlich sind nur 2,5% der Einwohner Dresdens ausländischer Herkunft und gerade mal 0,1% der Dresdner Einwohner überhaupt Muslime), spielt keine Rolle mehr. Stunk machen und seinen eigenen Ärger freien Lauf lassen, dass ist alles was übrig bleibt. Frustrationsdezimierung auf Kosten Anderer.

Ich für meinen Teil fühle mich ganz mies dabei, wenn ich auf die Entwicklung der letzten Monate zurückblicke. Mir kommt im wahrsten Sinne des Wortes die Galle hoch. Ständig lese ich hirnverbrannte Hasstiraden von geistig degenerierten „Islam-Kennern“, die ihre Bildung ausnahmslos vom Sofa aus genossen haben. Ich behaupte nicht, dass ich mich mit dem Islam auskenne. Im Gegenteil. Der Islam ist mir scheißegal. Genauso wie das Christentum, die Quantenphysik oder linksdrehende Milchkulturen. Aber mir ist bisher noch keine „Randgruppe“ so dermaßen auf die Eier gegangen, dass ich dafür meinen Allerwertesten auch nur im Ansatz, im Winter (!),  auf die Straße geschleppt hätte. Und bei den miesgelaunten Ösis kann das eigentlich auch nicht anders sein, weil es da hinten so gut wie gar keine Muslime gibt. Höchstens im Fernsehen.

Wir sollten damit anfangen, die Entwicklungen der vergangenen Zeit als Realsatire zu betrachten und pausenlos unsere Witze darüber machen. Dann verfliegt eventuell die Ernsthaftigkeit und die tatsächliche Bedrohung von all dem. Zum Glück werden wir dabei aber stark unterstützt – von der Pegida und Onkel Bachmann himself. Der fotografiert sich nämlich gerne mal mit schniekem Scheitel und Bärtchen und postet seltsame Sachen im Internet. Und sowas gräbt Anonymous dann aus und postet es wiederum auf Twitter. Und dann tritt der gute Lutz auch noch zurück. Sowas aber auch.

War wohl doch kein ungünstiger Mikrofonschatten.

Also. Habt Spaß mit den niedlichen Schnullernazis und macht eure Witzchen. Am besten qualitativ hochwerte, wie die von Sulaiman Masomi.