Vor einigen Jahren habe ich mir mal Lautsprecher gebaut, die ganz wunderbar waren (und sind). Dann hatte ich zwei kleine Kätzchen – Die besten Kätzchen von allen Kätzchen auf der Welt. Mein Gott habe ich diese beiden Racker geliebt. Aber weil es Katzen waren, machen die nunmal auch viel kaputt. Insbesondere dann, wenn die noch ganz klein sind und ihre Revierkämpfe in der Wohnung ausüben. Das ist völlig okay mit den Kämpfen und ebenso okay ist es, wenn Dinge zu Bruch gehen, weil es nunmal nur Dinge sind. Dinge kann man völlig emotionslos ersetzen. Dinge fallen zu 100ten vom Fliessband und wenn man das erstmal begreift, ist das auch alles nicht mehr so schlimm. Die Kätzchen haben niemals einen Menschen getötet oder so – Das wäre nämlich tatsächlich problematisch. Wie auch immer. Katzen zerstören alles und daher waren auch meine Lautsprecher betroffen. Leider ist es bei DIY Lautsprechern so, dass man diese nicht einfach so neukaufen kann, da sie nunmal selbst gebaut wurden. Rund ein Jahr hatte ich daher komplett ruinierte Speaker in Betrieb. Die Frequenzweiche polterte nach mehreren Stürzen im Inneren der Speaker hin und her, das Holz ist an x Stellen gebrochen und ich flickte die Dinger immer und immer wieder mit Nägeln und Schrauben zusammen. Der Lack sah aus wie nach einem Bombenattentat, Die Karlotten sind teilweise eingerissen und die Dinger schnarrten und rumpelten ohne Ende.

Nun habe ich derzeit ein wenig mehr Zeit als andere Menschen und deshalb dachte ich mir „machste halt mal neu“. Zum Glück hatte ich noch im Hinterkopf, wie mein damaliger Bauplan hiess und mittels der Wayback Machine konnte ich den tatsächlich nochmal ausfindig machen. Ich hab damals dafür Geld bezahlt und man soll diesen nicht veröffentlichen, daher bitte ich um stillschweigende Contenance.

Wie auch immer. Ich hatte den Bauplan und die Weichen waren mehr oder weniger noch intakt. Also fehlte es in erster Linie nur an Holz, was kein grösseres Problem darstellte. Schliesslich gibts das in jedem Baumarkt für kleines Geld. Darüber hinaus bekommt man in Dienstleistungs-Deutschland einen kleinen Minion zur Seite gestellt, der einem das Ganze dann sogar passend zusägt. Und wenn man sich dann noch gut mit dem Minion versteht, etwas rumscherzt und sogar Lakritze dabei hat, kriegt man das alles sogar nochmal vergünstigt. Danke an dieser Stelle, Tom.

Dann transportiert man den ganzen Zuschnitt inklusive ner Pulle Ponal im Auto nach Hause und versaut sich erstmal die ganze Karre mit feinem Sägemehl. 

Die Gehäuse sind recht schnell zusammengezimmert, da der Aufbau recht simpel ist. Ob man nun tatsächlich MDF Platten benötigt sei mal dahingestellt. Ich habe lediglich im voraus gedacht, da sich diese halt einfach besser finishen lassen, als dieser hässliche Grobspan.

Wie gesagt. Das Verleimen ist easy. Aus Komfortgründen habe ich das direkt im Wohnzimmer gemacht, weil man da Musik hören kann.

Nun folgte das elendige Verspachteln und schleifen der Schnittkanten. Ich bin nach wie vor zu doof dazu, Holz auf Gehrung zu schneiden. Mir fehlen da schlicht und ergreifend die Machinen zu, daher hab ich das Ganze auf Stoß verleimt. Nun ist es so, dass die Stoßkanten später beim Lackieren, den Lack wesentlich stärker aufsaugen, als die restlichen Flächen. Irgendwann passiert es somit, dass sich die Kanten im Lack absetzen werden. Daher fülle ich die Stoßkanten mehrere Male mit MDF Füller und schleife diese planar. Das ist eine fürchterliche Arbeit, aber anders wusste ich mir nicht zu helfen.

Schleifen, füllen, schleifen, füllen, schleifen, füllen. Ätzend. Aber auf diesem Foto sieht man recht gut, wie die Stoßkanten mehr und mehr verschwinden. Es ist ein langwieriger Prozess. Aber das Wetter war halt klasse. Allemal besser als in der Wohnung dahinzuvegetieren.

Jetzt wirds cool. Ich musste die Löcher für die Chassis in die Frontplatte kriegen und das war damals ein absoluter Krampf. Also telefonierte ich ein paar Tischlereien ab von denen ich wusste, dass die eine CNC Fräse haben. Ich fragte, ob die mir das da reinfräsen würden und was das denn wohl kosten soll. Die Preise gingen von 20€ bis 70€ (ernsthaft?!). In einer Tischlerei, deren Namen ich nicht nenne, sagte mir der Typ am Telefon nach einem verdammt lustigen Gespräch, dass er sich momentan eh so alleine fühlen würde, weil er irgendwas verbockt hätte und deshalb alleine alles nacharbeiten müsste. Und weil sein Chef sich am Wochenende eh nicht aus dem Bett bemüht, würde er sich freuen wenn da noch jemand anwesend wäre. Und das war dann quasi auch die ganze Bezahlung.

Ich hatte eine gesamte Werkstatt für mich allein. Leider stellte sich im Nachhinein heraus, dass der nette Typ am Telefon ein ekliges, rassistisches Arschloch war und wir verstanden uns gegen Ende nur noch bedingt gut. Aber es reichte aus, um die Löcher zu fräsen und die Speaker an weiteren Stellen mit futuristischen Werkzeugen weiter zu verbessern.

Leider habe ich mich bei den Fräsungen etwas verschätzt und die Löcher waren stellenweise zu nah an der Aussenkante der Bretter. Bei einer Platte platzte mir dann ein Stück heraus, was sich aber noch recht gut verspachteln lies.

Also ging es wieder ans Verleimen. Alles gut soweit. Mir macht das wirklich Spaß 🙂

Danach folgte dann erst ein Besuch eines Elektrofestivals. Mein allererstes Elektrofestival überhaupt. Obwohl ich wirklich ernsthafte Probleme mit der Musik hatte, war das eine tolle Erfahrung und ich machte einige coole Bekanntschaften. Später hab ich dann noch ein wenig Lebenshilfe betrieben und einen alten Bekannten in einem 3 stündigen Gespräch etwas aufgebaut. Es ist schön für andere da sein zu können. Und ein ehrlich gemeintes „Danke“ zu hören erfüllt mich immer wieder mit Glück.

Einige Tage später war ich erneut nicht zuhause und nächtigte auswärts. Zuvor habe ich damit begonnen, die Lautsprecher zu grundieren und zum Trocknen auf den Balkon zu stellen.

Mich überkam schon ein mulmiges Gefühl, da es an diesem Abend nach Regen aussah. Und so kam es dann auch. Als ich aus Angst kurz zurückfuhr, um nach den Speakern zu sehen, waren diese bereits aufgequollen und… nunja… komplett im Arsch. Meine Laune fiel kurzzeitig in den Keller und ich schmiss die ganze Scheiße gefrustet in die Tonne. Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt mit dem ganzen Vorhaben abgeschlossen. Einige Tage später dachte ich mir dann aber doch „Na und? Fehler passieren. Machste halt nochmal von vorn.“

Und so kam es dann auch. Ich startete wieder bei 0. Manchmal ist das halt so im Leben. Dinge gehen schief. Scheiß einfach drauf. Zwei Tage später war ich dann wieder auf dem gleichen stand wie zuvor. Ich mied lediglich die Nazitischlerei und zahlte einen Zwanziger für die Fräsung.

Allerdings lernte ich später durch Zufall einen Zimmerer kennen der mit anbot, die Kanten der Lautsprecher zu fasen. Das Angebot habe ich gerne angenommen und so besuchte ich ihn bei Woodworks in seiner Werkstatt. Unglaublich toller Typ 🙂

Dadurch, dass ich nun eine Fasung an den Boxen habe, musste ich erneut die Kanten verspachteln, was etwas nervig war. Aber hey, ich hatte eine Fasung für umme. Und so ist das halt. Man weiss nie, wofür es gut ist. Hätte ich die alten Dinger nicht im Regen stehen gelassen, hätte ich ich nicht neu angefangen, hätte ich den Zimmerer nicht kennengelernt, hätte ich nun keine Fasung. Egal was passiert, Du weisst nie wofür es gut ist. So ist das bei allem. Das wusste schon Buddah… nein, eigentlich ist dieser Gedanke sogar von ihm.

Wie auch immer. Nun folgte der grausamste Teil. Das Schleifen, das erneute Spachteln, das Schleifen, das Lackieren, das Spachteln, das Schleifen, das Spachteln, das Lackieren, Spachteln, Schleifen. Alles in der Garage. Ich lernte, dass ich beim nächsten Mal Atemmasken nutzen sollte.

Es war eine unfassbar nervige Angelegenheit. Und ich hatte lediglich Sprühdosen aus dem Baumarkt zur Verfügung, was normalerweise zu einem grausigen Ergebnis führt. Jedoch habe ich mich bei einem Lackierer über diverse Techniken informiert und somit habe ich glaube ich das Maximum herausgeholt, was ging. Was gut ist. Ich bin jedenfalls bis auf einige Kleinigkeiten sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Nun ging es an die Weiche. Ich habe die Teile zum Großteil aus den alten Lautsprechern übernommen. Lediglich eine Widerstände habe ich getauscht. Für eine PCB war ich zu geizig, daher hab ich den ganzen Elektrokram auf ein siffiges Pappbrett geklebt, was irgendwo rumlag. Ich gebe zu, dass ganze sieht aus wie Kraut und Rüben – Aber es funktioniert halt. Und die Weiche wird eh niemals jemand zu Gesicht bekommen, von daher ist es auch völlig egal wie es aussieht.