Wir schreiben mittlerweile das Jahr 2013 und das ist auch gut so, denn alle 365 Tage startet das Desertfest in Berlin. In Anbetracht der Tatsache, dass diese grandiose und zugleich gnadenlos großartige Veranstaltung des verlebten Jahres bereits Teil der Vergangenheit is, bedeutet es im Umkehrschluß auch, dass mit jedem einzelnen Tage der Termin zum nächsten Festival in greifbarere Nähe rückt. Im letzten Jahr hat mich dieses Festival nicht nur komplett weggeflasht, sondern vollends und mit maximaler Kraft bis zur Hutschnur in den Stonersumpf gedrückt. Ich schluckte soviel tieffrequente und schwer verdauliche Kost, dass mir seit diesem besagten Wochenende beinahe nichts anderes mehr munden mochte. 

Andersrum betrachtet, hat sich mein musikalisches Empfinden in eine grundsätzlich andere Richtung verschoben als in den Jahren zuvor, da ich gelernt habe, noch viel genauer hinzuhören. Denn spätestens seit dem Auftritt von Colour Haze weiß ich nun, dass die wohl größte musikalische Energie von Bands ausgeht, die beim ersten Anhören einen eher faden Beigeschmack hinterlassen. Irgendwie gefällt einem das, was man da hört, es lässt sich aber nicht korrekt einordnen, geschweige denn erfassen. Mantraartige, fast monoton dahersiechend, schleichend langsame Songstrukturen, ungewohnte Melodien von Instrumenten, denen man zuvor kaum Aufmerksamkeit schenkte, bis gen Ende das zuvor Dagewesene in purem Chaos plattgewalzt wird. Je länger ich mich mit Stilrichtungen dieser Art beschäftige, desto bewusster wird mir, dass ich streng genommen nichts anderes mehr will. Und ich liebe es, neue Bands zu entdecken, die genau in dieser völlig masseninkompatiblen Musiksparte tätig sind. Auf dem letzten Desertfest kannte ich maximal 15% der Acts und in diesem Jahr erwartet mich exakt die gleiche Situation. Ich freue mich darauf, mich berieseln zu lassen und schätze mich absolut glücklich, ein Mädchen an meiner Seite zu haben, die genauso bescheuert tickt, wie ich.

Genauso sehr freue ich mich auf Bands wie Unida (OMG, Mr. Garcia, Godfather!), Dozer (Scheiße noch eins – Ich werde DOZER live erleben!) oder Lowrider (AAHHH!!). Es wird fantastisch – Soviel ist sicher. Und bis es soweit ist, werde ich weiter mit meinem Auto durch die gesellschaftliche Wüstenlandschaft cruisen – stets den Volumepoti auf Anschlag, die Höhen rausdrehen und grollende, zähflüssige Gewitterstürme in mein Hirn suppen lassen, während ich triumphierend auf unsere quietschbunte iPod- und „The XX“-Generation herabblicke.

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