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Gamescom 2017

24. August 2017

Zusammen mit einem guten Freund besuchte ich vor einigen Tagen die Gamescom in Köln. Wir haben erfreulicherweise aufgrund unseres Nerd-Hobby-Wirsindnochnichtzualt-Projekts Pixeltyp.de mehrere Presseakkreditierungen ergattern können, so dass wir bereits am Dienstag die Hallen betreten konnten.

Nun, wie wars? Ganz ehrlich? Eine Gamingmesse ist nicht meine Welt und wird es wohl auch niemals werden. Mich umgarnte pausenlos dieses Gefühl des Fremdseins. Ich weiß nicht, ob es an meiner Immunität gegenüber Marketingmaßnahmen geschuldet ist, oder ob da sogar Fremdscham mit reinspielte. Diese Ansammlungen von aufgedrehten Menschen, die für mich verloren in ihrer kleinen Welt herumirren. Das merkwürdige Leben in dieser kunterbunten Filterblase, die sich im Grunde auf nichts reduziert. Es war merkwürdig. Zumindest im öffentlichen Bereich. Wohl fühlte ich mich zu keiner Sekunde.

Die Businessarea hingegen war wesentlich erträglicher, obwohl es sich nunmal um eine Businessarea handelte. Hier und dort rannte uns mal ein grimmig- oder gestresst wirkender Pinguin in Anzug und Krawatte über den Weg, aber das war zu verkraften. Die Gespräche mit den Entwicklern waren spannend und interessant. Die Jungs waren grösstenteils sehr euphorisch, als sie uns ihre Produkte und Spiele präsentierten und man verspürte regelrecht das Herzblut, dass aus ihnen herausspritzte. Und alles geschah eigentlich durch die Bank in einer echt lockeren Atmosphäre, inkl. Bierangebote um 9 Uhr morgens. Es wurde geblödelt und sich selbst nicht allzu ernst genommen. Ich mochte es noch nie, wenn Menschen sich wichtiger verkaufen, als sie es tatsächlich sind. Und das war hier absolut nicht der Fall. Dennoch hat es der Ernsthaftigkeit der Interviews keinen Abriss getan.

Wir sprachen über Shadow, einem Cloud Computing Service, waren bei den Jungs von Sonic Forces und Mount and Blade II, schnackten mit der sympathischen Chrissi von Bonjwa, zockten Battlefront II an oder testeten das VR Game Moss (das war wirklich großartig!). Moss von Polyarc hat mich wirklich gepackt – Es mag evtl. daran liegen, dass man nicht jeden Tag eine VR Brille auf der Nase hat, aber insbesondere hat mich das Gespräch mit dem Developer ziemlich begeistert.Die Jungs gehen ein so großes Risiko mit dem Spiel ein und sie tun es einfach. Aus purer Überzeugung, die stärker wiegt als jede Sicherheit. Ich musste wirklich meinen Hut davor ziehen.

Letzten Endes besuchten wir dann noch einen kleinen Entwickler, der in erster Linie kein Spiel präsentierte, sondern vielmehr ein Gerät, welches zukünftig in sozialen Einrichtungen Platz finden könnte. Und ich hoffe, dass sie es dort hin schaffen. Es handelt sich dabei um einen Controller, der permanent die Herzfrequenz des Benutzers misst und mit diversen Bewegungssensoren ausgestattet ist. Du hälst diese Kugel halt vor dich und auf dem Bildschirm lief in unserem Fall eine Bogenschiessszene ab.

Das interessante ist nun, dass sich der Zielbereich, je nach Grad der Aufgeregtheit des Benutzers verkleinert oder erweitert. Wenn du also eine innere Ruhe findest, in dich gehst und entspannst, fällt es leichter das Ziel zu treffen. Die Jungs versuchen somit, durch das Ding eine Entspannungsreaktion beim Nutzer hervorzurufen. Einfach mal zur Ruhe kommen, dann sind deine Chancen auf Erfolg größer. Ich finde die Idee und die Umsetzung wirklich großartig, weil unserer Welt mittlerweile auf Stress gepolt ist, der als Normalität angesehen wird. Dir wird im Kindesalter beigebracht, wie du möglichst weit bringst, wie du Ehrgeiz und Anstrengung Erfolge erzielst. Niemand sagt dir allerdings, dass das Leben noch andere Facetten hat und das es ebenso wichtig ist, einfach mal runterzufahren.

Oder anders: Viele Menschen kennen diesen Zustand überhaupt nicht mehr. Menschen werden unruhig, wenn sie in einem stillen Raum sitzen, wenn sie nicht permanent visuell gefordert oder medial beschossen werden. Sie vergessen wie es ist, in sich zu gehen, ihrem Herzschlag zuzuhören oder sich auf eine Kleinigkeit, so unscheinbar auch immer sie ist, zu besinnen. Die therapeutischen Einrichtungen sind voll mit hibbeligen, hyperaktiven Gestalten, die an ihrer Zielstrebigkeit verzweifeln, dem Burnout entgegenrennen oder bereits einen hinter sich haben. So ein Beruhigungs-Gadget könnte somit eine wirklich tolle Alternative sein. Natürlich kann man sich auch einfach ein Buch zur Hand nehmen und sich in eine Hängematte legen, für viele Menschen ist das aber nicht fancy genug oder es kommen Sätze wie „ich schaffe es nicht, ein Buch zu lesen – dazu fehlt mir die Ruhe.“ Das gezeigte Produkt, der Simyball könnte dabei in eine Kerbe schlagen, die spielerisch ein mentales Training vermittelt.

Gute Sache, finde ich.

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