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Fernöstliche Kultur

28. April 2015

Vergangene Woche urlaubte ich für einige Tage in der östlich gelegenen Zwischendimension unserer Galaxis. Dort, wo selten ein Mensch seinen Fuß auf Gottes Boden setzt. Dort, wo aktuelle filmische Werke auf Betamax released werden, wo Pommes noch als Kartoffelstreifen bezeichnet werden und dort, wo das Telefon noch auf seine Einführung wartet. Um es zu präzisieren: In Zwickau.

Nein, im Ernst. Ich war im Osten unterwegs und es hat mir sehr gut gefallen. Die Zeit im Elternhaus meiner Dame ist zwar stets mit exorbitanter Gewichtszunahme verbunden, aber das ist im Grunde völlig in Ordnung, weil es dort stets wahnsinnig gut schmeckt und ein Haufen netter Leute anzutreffen sind.

Wir lungerten viel rum. Das war sehr phänomenal. Und wenn wir nicht rumlungerten, aßen wir. Eigentlich aßen wir ununterbrochen. Und wenn wir nicht aßen, tranken wir – Eierlikör zum Beispiel. Ich hege insgeheim ja stets den Gedanken, dass die Eltern meiner kleinen großen Supererdbeerprinzessin ein ausgeprägtes Eierlikörproblem haben. Ich sprach sie sogar darauf an, aber sie verneinten die Aussage – Also ist wohl doch alles in Ordnung.

Mit jedem Zwickaubesuch ist auch ein gewisses Maß an Bildung verbunden. Dieses Mal lernte ich die folgenden Dinge:

Klöße: Ich beherrsche nun die Zubereitung von Wickelklößen. Genauer gesagt, habe ich überhaupt das erste Mal in meinem Leben Wickelklöße gegessen. Gibt’s hier ja nicht. Glaub ich. Geschmacklich zwar nicht unbedingt meins, aber der Grund dafür ist wohl der, dass ich auch nicht so wirklich Kartoffelbreikompatibel zu sein scheine und mir beim Verzehr von Selbigem recht schnell mulmig in der Magengegend wird. Keine Ahnung woran das genau liegt, ist aber so. Wie dem auch sei, wenn die Frau das nächste Mal nach Wickelklößen verlangt, kann ich damit dienen.

Irish Pub: Sowas gibts in Zwickau. Und die haben da sogar Bulmers. Unfasslich gut!

Leipzig: Genau, ich war in Leipzig und die Stadt (zumindest der Teil um den Leipziger Zoo herum) ist ziemlich knorke. Eigentlich ist Leipzig wie Berlin, nur nicht so siffig, sondern eher schön. Nazis habe ich nach unserem kurzen Rundgang auch keine gesehen. Ich glaube, dass falsche Bild beruht alles nur auf der GLEICHGESCHALTETEN MASSENMEDIENMANIPULATION, DER WIR RUND UM DIE UHR AUSGESETZT WERDEN. Nein im Ernst, ich hatte wohl so ziemlich die kürzesten Haare aller dort ansässigen Beteiligten.

Zoo: „Uuuuh Zoo! Böse!“, denkt sich der geneigten Leser nun bestimmt wieder. „Die armen Tiere die dort zur Schau gestellt werden“. Alles Quatsch.

Ohne Zoos würden viele der Tiere überhaupt nicht mehr existieren. Die erhalten unter anderem auch Arten. So! Und weil Zoos nun, wie wir gerade lernten, total gut und sinnvoll sind, haben wir einen solchen besucht. Um es auf den Punkt zu bringen – Wir waren im Leipziger Zoo. Leider hatten wir ein wenig Pech, was die wettrige Lage betraf. Am Tag zuvor war es knüllewarm. Als wir uns zum Zoogang aufmachten, pfiff uns der Wind um die Ohren ich ich kämpfte damit, dass mir die Extremitäten nicht abfaulten. Die Tiere fanden das Wettergelage auch eher suboptimal und haben lieber ihren Winterschlaf ein wenig verlängert. Wir sahen dennoch recht viel, da das Gelände einfach mal verdammt groß ist.

Den Baustellen im Eingangsbereich nach zu urteilen wird das Teil in naher Zukunft sogar noch ein wenig ausgeweitet. Besonders geil fand ich das Tropenhaus. Meine Fresse, ist das Ding riesig. Dort gab es allerhand Affenzirkus zu sehen und das Essen war auch alles andere als zu verachten. Falls ihr mal in der Gegend sein solltet – reingehen! Achso, Pflanzen gab es da natürlich auch zu Hauf. Ich mag ja diese überdimensionalen Riesenblätter. Die könnte ich den ganzen Tag lang anfassen und begrabbeln.

Buchenwald: Den Abschluß unserer Exkursion ins Ostmanische Reich bildete ein Besuch im Konzentrationslager Buchenwald und es war unglaublich bedrückend. Alleine die Anreise hinterließ ein ziemlich beklemmendes Gefühl, da die Einfuhrstraße sich mehr oder minder noch im Originalzustand befand. Die Blutstraße. Du fährst kaugummikauend die Straße in deiner dekadenten Karre hoch, über die zuvor Menschenmassen zur späteren Exekution transportiert wurden und beschwerst dich derweil womöglich noch, dass es draußen zu warm ist, oder sich dein Handyakku dem Ende neigt. Krank. Im Abstand von 20 Metern scheppert es, weil die Reifen deiner Karre die Fugen, zwischen den aneinandergelegten Panzerplatten, passieren. Ein Geräusch, welches seiner Zeit wohl eine ganz andere Dimension hatte. Echt finster.

Noch finsterer wurde es dann beim Betreten des Geländes. Die ganze Schweinerei liegt keine 100 Jahre zurück (echt jetzt,… macht euch das mal klar!) und es herrschte überall eine wahnsinnig seltsame Stille. Okay, in irgendeinem x-belibigen Wald ist es auch still, aber die Stille vom KZ-Buchenwald ist eine ganz andere Kategorie. Man muss das erstmal begreifen, was an dem Ort, an dem man sich gerade befindet, für ein unendliches Leid stattgefunden hat. Du stehst da auf dem hässlichen Schottergrund und erfährst, dass dort, wo du gerade deinen Fuß hingesetzt hast, die Asche von hunderten verbrannten Menschen liegt. Denn irgendwann war es einfach Scheißegal und die Asche wurde auf dem gesamten Gelände verstreut. Unter anderem atmeten die Häftliche die Asche ihrer Mithäftlinge ein. Ich mein.. wie bitterböse ist das bitte?

Buchenwald

Die stehst dort auf dem Platz und begreifst nicht, wie es überhaupt jemals soweit kommen konnte, wie Menschen sich gegenseitig sowas antun können und zeitgleich zweifelst du an der Welt um dich herum, weil es auch heute noch Idioten gibt, die das Ganze offenkundig TOTAL SUPER fanden.

Wir sahen die Öfen, wir sahen die Leichenrutsche, die Erschießungsanlagen (getarnt als medizinischer Untersuchungsraum), den Appellplatz und letztlich sahen wir auch die ganzen Haken im Keller, an denen die Insassen der Reihe nach erhängt worden sind. „Des Häftlings letzte Pflicht war der Tod.“ Leck mich am Arsch, Nazidreckspack. Ernsthaft.

Am Haupttor des Konzentrationslagers prangt von innen lesbar der Spruch „Jedem das Seine“. Ich habe anfangs gar nicht verstanden, wieso der Spruch in das Innere des Komplexes gerichtet ist, schließlich ist es bei den anderen Lagern auch nicht der Fall. Der Grund dafür ist, dass sich der Spruch direkt an die Insassen wendet und in etwa die Aussage „Hier und nur hier gehörst Du hin. Deal with it!“ in sich trägt. Fürchterlich. Dieser eine Satz stellt im Grunde noch die Spitze der immerwährenden Demütigung der Insassen dar, dem sie Tag für Tag beim Appell ausgesetzt waren.

Ich selbst benutzte relativ oft die gleiche Floskel. Das lasse ich zukünftig lieber bleiben.

Wurst: Als wir später den Heimweg antraten, wurde uns ein Geheimtipp seitens der Schwiegereltern in spe aufgedrückt. „Fahrt doch mal in Magdala an der Autobahn auf die Raststätte und geht zu Imbiss Haase!“ sagten sie und legten uns die wohl hässlichste Visitenkarte mit dem grausamsten Logo unter der Sonne auf den Tisch. Nicht sonderlich beeindruckt steckten wir die Karte ein und fuhren tatsächlich in den Imbiss.

Was soll ich sagen? Die Bude ist der wurstgewordene Himmel auf Erden! Nie hab ich eine geilere Bratwurst gegessen (und ich habe viele Bratwürste gegessen). Die Dinger waren so dermaßen geil, dass ich mir schleunigst ein paar habe einpacken lassen und im gleichen Zuge den ganzen Laden verrückt machte.

Das lief so: Ich aß meine Wurst, bekam während des Essens wässrige Mundwinkel, sprang auf, rannte erneut zum Bestelltresen und rief „Bitte geben sie mir auf der Stelle weitere Würste! In Roh! Zum Selbergrillen!“. Die nette Dame erwiderte „klar, kein Problem“, ging in den hinteren Raum und legte mir eine Tüte mit glibbriger Masse auf den Tisch. Ich drückte auf der Tüte rum und sagte „Ne, sorry. Ich will kein Hackepeter… ich wollte Würstchen“. Die schaute mich entgeistert an und sagte, dass das Würstchen wären. Ich behauptete weiterhin, das es sich um Hackfleisch handelt. Plötzlich rief eine andere Kunden quer durch den Laden, dass es sich um Würstchen handelt, ich offenkundig dem Westen entstamme und sowieso keine Ahnung habe. Würstchen sehen hier so aus und das ist auch gut so.

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Discussion about this post

  1. Philipp sagt:

    Bulmers ist köstlich! Ich mag das auch total gerne. Gibts auch im Bielefelder Brausesyndikat zukaufen.

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