Nischenmusik hat ja bekanntlich immer das Problem, dass es sich um Nischenmusik handelt. Dementsprechend findet selbige wenig Anklang bei der Gruppierung Mensch, die Musik als eine-von-vielen-Tätigkeiten ansieht, der man ja ganz vielleicht mal für ne halbe Stunde beiwohnen könnte. Aber nicht zu laut und nur dann, wenn man nebenbei den Haushalt schmeisst oder die Briefmarkensammlung sortiert. Quasi als Sounduntermalung des gewöhnlichen Tagesablaufs. Es darf nicht zu aufdringlich, zu chaotisch oder zu wirr werden, sonst kann man sich nicht konzentratonanieren und alles ist ganz fürchterlich und huihuiui. Deshalb ist und bleibt es Nische oder auch, um es mit anderen Worten zu sagen, kompletter Underground. Okay, zugegeben – Viele Bands sind auch aufgrund ihrer generellen Bekacktheit Underground. Diese meint der Autor hier aber explizit nicht!

Dann gibt’s die Sorte Band, die für ihre Verhältnisse zu lange im Underground herumdümpeln und diese beginnen früher oder später damit, sich von ihren Wurzeln zu verabschieden um eine breitere Masse anzusprechen. Volbeat Manche von denen landen dann irgendwann bei NDR2 im Mittagsprogramm, produzieren ein weiteres Album und verschwinden dann in der Versenkung. Andere Machine Head  kommen aus dem Underground raus, weil sie plötzlich einen übertriebenen Quantensprung hinlegen, ihre Roots (klingt cooler!) beibehalten und auf einmal die fettesten Hallen füllen.

Und dann gibts da diese eine Band, die auf alles einen utopisch großen Haufen setzt und schlicht das macht, was sie auch schon am ersten Tag gemacht haben: Verwüstung. Ich spreche von EYEHATEGOD. Die Jungs *räusper* Herren klingen auch nach 28 Jahren noch exakt so grottenschlecht produziert, wie auf ihrer ersten Demo. keinerlei Fortschritt, weder spielerisch, noch lyrisch. Lightshows? Haben die nich. Große Hallen? Nö. Keine neuen Einflüsse in irgendeiner Form. Sogar das Knacksen und Rauschen auf ihren Platten ist noch da. Benimmregeln sind ebenfalls nach fast 30 Jahren noch immer nicht bei den Leuten angekommen. Und ganz nebenbei begründen die dann ein gesamtes Genre mit ihrem Sound – den Sludge.

Mein erster Kontakt mit EHG ist irgendwo in den späten 90ern zu finden. Nicht weil ich die Band gehört hätte oder so – Phil Anselmo trug im Video zu Pantera’s „I’m Broken“ schlicht und ergreifend ein T-Shirt von denen. Und das musste ja dann irgendwie geil sein, weil alles was der Mann bis dato gemacht hat geil war. In den 90ern war es halt nur relativ problematisch, Musik im Internet anzuhören. Weil es das nämlich kein Internet gab. Jedenfalls kein YouTube, geschweige denn Spotify oder wie der ganze Käse auch immer heissen mag. Also fragte man halt wild durch die Gegend und erntete nur seltsame Blicke. Niemand kannte die. Nix, nada.

Irgendwann später, es war auf VIVA (Metalla mit Markus Kafka, was damals die Offenbarung war) lief dann äußerst merkwürdige, rumpelig zornige, Musik mit Geschrei und viel Geboller. Und am Ende stand da unten drunter, dass es EYEHATEGOD war. Ich las das und mir fiel vor lauter Enttäuschung die Pommes aus der Hand. Das war jetzt EHG, von denen Phil Anselmo (!), der bei PANTERA ist (!!!), ein T-Shirt (!!!11) trägt?! WHAT THE FUCK! Und so blieb das die nächsten 10 Jahre dann auch.

Warum ich dann später doch wieder in Kontakt mit EHG kam, kann ich eigentlich gar nicht mehr sagen. Es war wohl ein Prozess, der sich schleichend mit der ganzen Doom- und Stonermaterie in mein Leben drückte. Irgendwie habe ich es immer mal wieder probiert, Gefallen an diesem doch sehr einzigartigen Sound zu finden. Der Trick war letztlich wohl einfach nur die Lautstärke und wohl auch die Offenheit gegenüber destruktiver Kunst bzw. die Akzeptanz von totaler Brachialität. Es machte irgendwie „Klick“ und wenig später fand ich mich auf einem Konzert im Osnabrücker Bastard Club (grässlicher Laden!) wider. Zusammen mit meiner Begleitung haben wie uns die Show angesehen und direkt verspührt, wieso diese Band solch eingefleischte Hardcorefans hat. Das was auf dem EHG Konzert abging war einer nur eine 90 minütige Planierraupe, die sich permanent auf der Amygdala im Gehirn um die eigene Achse drehte. Es war pure Verwüstung und ein so dermaßen absurdes Erlebnis, dass ich unbedingt noch einmal mitmachen möchte.

Selten zuvor habe ich einen zerstörteren Frontman wie Chris Hillard gesehen. Man sieht dem Kerl sein vergangenes Leben regelrecht an.

Courtesy of Dean Karr

 

 

………..None of these bands are about the albums. Go see them, and you’ll get it.