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Anfang.

4. Januar 2018

Und da haben wir auch schon den Salat. Eben noch jetzt und nun ist es auch schon heute: 2018 ist gestartet und irgendwie ist immer noch alles die gleiche Plörre wie eh und je. Da wurden wohl nicht genug Milliarden von Euro in den Himmel geschossen oder nicht genug gute Rutschen gewünscht. Schlimm aber auch, das. Davon mal ab: Was soll das eigentlich, jemandem einen guten Rutsch zu wünschen? Was für ein Rutsch ist da gemeint? Ich bin noch nie irgendwo hingerutscht und wüsste auch nicht, warum man sowas machen sollte. Wie auch immer.

«2018 startete mit einem Montag.»

Diesen Satz habe ich siebenundzwanzigmillionen mal auf Twitter gelesen – Amüsanter wurde er allerdings in der vierundsiebzigtausendsten Wiederholung auch nicht so wirklich. Jedoch ist dieser Tweet streng genommen ebenso belanglos, wie das Thema der guten Vorsätze im Allgemeinen. Noch belangloser ist jedoch das grundsätzliche Vorhaben, die guten Vorsätze öffentlich im Internet zu teilen. Deshalb möchte ich nun von diesen Vorsätzen erzählen. Zumindest von einigen, die ich für mich selbst nicht als privat einstufe. Die privaten bleiben dort, wo sie hingehören: Nicht bei euch.

Generell erklärte ich gestern Nacht gegen Viertel nach Elf, als ich gitarrenspielend auf dem Sofa einer Freundin saß, 2018 zum Tocotronic-Jahr™. Warum das? Zum Einen, weil ich diese Band aus tiefstem Herzen aufgrund ihrer Texte verehre. Die sind fantastisch tiefgründig, melancholisch, manchmal anstrengend, stellenweise lustig aber nie unbedacht und eine große Menge Frust steckt ebenso in ihnen. Man muss sich mit den Texten und Aussagen auseinandersetzen und es ist alles darin enthalten, bis auf Oberflächlichkeit. Irgendwie fühle ich mich selbst als menschliche Person genauso in dieser Welt. Diffus inkompatibel eben, oder nennt es hinterfragender, weniger schluckend, wie auch immer. Und weil ich mich in Tocotronic’s Musik so verlieren kann fragte ich mich, wieso ich nicht einfach mehr Songs von den Jungs auf der Gitarre einstudiere. Und wenig später stellte ich mir selbst die Frage, warum ich seit knapp zwei Monaten die Gitarre gar nicht mehr wirklich herausgeholt habe, obwohl ich mit der guten Anna so viele wundervolle Stunden damit hatte. Generell gehört für mich die Zeit, in der zwei Menschen zusammen singen und musizieren, zu den wunderbarsten Momente, die man so erleben kann. Wir haben irgendwann damit angefangen uns dem Serien gucken zu widmen, was wirklich nicht cool ist im Vergleich. Denn Serien gucken ist tote Zeit. Vielleicht spannend und unterhaltsam, aber mehr auch nicht. Vielleicht ist dumpf der richtige Ausdruck dafür. Beim gemeinsamen Gitarre spielen bildet man eine Einheit, man lernt zusammen zu funktionieren und es entsteht dieser spezielle „Vibe“ dazwischen. Man beginnt wirklich zu lachen, wenn der Andere etwas verkackt, sich geniert oder das 15te Mal den identischen Fehler macht und grinst nicht nur, weil im Fernsehen irgendwas läuft, was jetzt geplant witzig ist.

Somit ist mein erster Vorsatz der, dass ich dieses Jahr möglichst viele Tocotronic Songs einübe. Auf der Gitarre. Und mit dem Mund.

Der zweite Vorsatz entstand aus einer totalen Leere heraus, die ich seit langer Zeit verspürte. Ich war zuvor ständig unterwegs, nahm jedes erdenkliche Konzert mit, ganz gleich wie weit es zu fahren galt und auch egal, ob mir die Band nun viel bedeutete oder nicht. Vielleicht lernt man sie ja durch den Konzertbesuch lieben, was oft genug geschah. Ich probierte ständig Unbekanntes aus, besuchte alle erdenklichen Freizeitparks, hockte auf Festivalwiesen an Orten dessen Namen ich nicht kenne, setzte mich kulturellen Krempel aus, besuchte Ausstellungen, Theater, Musicals, geschichtsträchtige Orte, ging Zeug im Wald sammeln und verarbeitete das dann zu Lebensmitteln und weiß der Teufel was noch … Und dann hörte das alles plötzlich auf und ich fand mich mehr und mehr auf dem Sofa wider, schaute Dokumentationen, Filme, Serien, futterte und trank mich dabei pummelig. Langsam entwich die Euphorie meinem Leben, die mich eigentlich immer definierte und jeden Anderen ebenso definieren sollte. Dieses Thema habe ich bereits schon länger in Angriff genommen, es soll aber im neuen Jahr noch  weitergeführt werden.

Daher heißt es ab nun: Mindestens einmal im Monat Kultur in beliebiger Form mitnehmen, während Aktivitäten wie Kino oder Essen gehen nicht dazugehören. Und zeitgleich wird mindestens einmal alle zwei Monate etwas gemacht, was ich noch nie zuvor ausprobiert habe. Ich denke das ist realistisch. Im Theater war ich übrigens am 2.1. bereits. Das war schön, eigentlich sogar ich mehr als das. Konzerttickets sind auch bereits einige vorliegend und festivalmäßig befinde ich mich (noch und wieder) in der Auslosung für die Fusion. Das Desertfest wird dabei so oder so heimgesucht. Drückt mal die Daumen, dass ich dabei sein werde.

Dritter Vorsatz: Wie unter den Erläuterungen des zweiten Vorsatzes bereits erwähnt, fand ich mich in der freien Zeit plötzlich zunehmend in dumpfen Momenten wieder. Ich schlenderte viel durch Einkaufspassagen, lief durch Geschäfte, glotzte Kram an, nahm Kram in die Hand und erwarb Kram, den ich dann in die Küche stellte, ins Regal stellte oder in den Schrank hing. Konsumwille schlich sich langsam in mein Leben und wurde zu einem Teil dessen. Es ist fast schon beschämend, wieviel Geld ich für Quatsch ausgegeben habe. Darunter war soviel Technikfirlefanz und soviel Zeug, den wirklich niemand braucht, der aber stets hochwertig sein musste, …weil, ja… weil es vielleicht ein kurzes Glücksgefühl zur Folge hat, welches mir irgendetwas vorgaukelte, was ich unterbewusst irgendwo auf einem Plakat oder woanders vorgelebt wurde. Wieviele überflüssige Kleidungsstücke ich allein besitze, die fröhlich vor sich hin gammeln. Immer schön von der Stange, denn Kleider machen Leute in der Welt der Verlorenen. Wieviel Schwachsinn ich mir auf  Konsolen kaufte, den ich im Grunde niemals wirklich gespielt habe.  Und wieso bezahle ich Geld für Dienste wie Spotify? Ich höre doch eh hauptsächlich Vinyls, die sowieso um ein vielfaches besser klingen. Warum habe ich ein Netflix Abo, obwohl ich überhaupt keine Filme und Serien mehr schaue?! Wieso besitze ich Küchengeräte, die in der Gastronomie Verwendung finden? Ich bin keine Gastronomie. Warum kann ich mittels Sprache das Licht steuern? Wieso redet hier überhaupt eine Sprachsynthese mit mir? Und warum zum Kuckuck nochmal besitze ich einen Desktop PC, ein Notebook, ein Handy und ein iPad? Wieso kaufe ich für Geld Dekorationsmaterial, welches einzig und allein dazu dient, dumm in der Gegend herumzustehen und mir auf den Nerv zu gehen?! Draußen liegt soviel schöneres Zeug herum. Wieso bastel‘ ich kaum noch etwas eigenes? Etwas mit Herzblut, was nicht wie vom Fliessband aussieht und einmalig ist? Warum? Richtig. Weil man alles kaufen kann und das ja so wunderbar unproblematisch ist. Warum habe ich ein fatales Markendenken entwickelt und bewerte sämtliche Produkte bereits im Vorfeld an diesem nichts und wieder nichts sagendem Kriterium, um am Ende über die doch angeblich so hochwertige und Qualität enttäuscht zu werden? Und wieso kaufe ich nach einer Enttäuschung beim nächsten mal wieder etwas von einem dieser Hersteller? Und das allerkaputteste: Wieso mache ich mir mittlerweile Gedanken über Organisationsmöglichkeiten betreffend der Verstauung dieses ganzen überflüssigen Krempels? Richtig, weil alles einfach viel zu viel ist. Du besitzt keinen Kram, sondern der Kram besitzt dich irgendwann. Nicht die Menschen rauben dir Zeit, sondern der Blödsinn,  den du dir Woche für Woche in die Bude räumst.

Deshalb: Keinerlei überflüssigen Mist mehr erwerben. Insbesondere keine Dekoartikel. Wenn, dann selber machen. Und für jedes gekaufte Teil werden zwei alte Teile in den Schredder geschmissen, verschenkt, gespendet oder verkauft. Geld wird in Erlebnisse gesteckt, denn das ist das Einzige, was einen Menschen bereichert. Und mein gitarre-spielender, spanischer Lieblings-Obdachloser aus der Kamp-Promenade in der Osnabrücker Innenstadt freut sich nun über einen Rucksack mit Dingen, die ich nicht mehr benötige.

Weitere Vorsätze: Es wird ab Mitte des Jahres Klavier gelernt. Nicht auf einem superduperweissdergeierwas E-Piano, sondern auf einem Plastik-Midi Keyboard, dass hier seit Jahren vor sich hinstaubt. Ich habe nie zuvor in meinem Leben eine Klaviatur benutzt und somit ist es das egalste auf der Welt, wie und wo man sich die Grundlagen aneignet. Und zudem klingt das Teil aufgrund meiner fehlenden Piano-Gehörbildung ohnehin gleichwertig oder sogar besser, als ein 5000€ teures Piano aus dem Geschäft. Ich habe schliesslich sämtliche Vst-Instrumente dieses Planeten auf meinem/meinen Computer(n).

Dann wird der Motorradschein im ersten Drittel des Jahres fertiggemacht, zumindest der theoretische Teil, denn das Wetter für den praktischen habe ich nicht unter Kontrolle. Und dann wird im Idealfall die Alpenstraße abgefahren mit einem guten Menschen. Idealfall deshalb, weil ich keine Ahnung habe wie sicher ich mich auf dem Ding bis dahin fühlen werde und das alles leider nicht ganz ungefährlich ist.

Zu guter Letzt: Sich bemalen lassen. Es ist einfach nicht schön, weiss zu sein.

Der Rest ist geheim 🙂

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