Grapefruits.

Grapefruits sind schlimm. Grapefruits sind verlogen. Ausgeburten der Hölle sind das! Perfekt getarnt und somit äußerlich kaum von ihren wunderbaren Verwandten, den liebreizenden Orangen, zu unterscheiden. Du erwartest eine süss-säuerliche Geschmackserfahrung und die Grapefruit (dieser Dreck!) zertrümmert Dir laut

Diese Infiltration des Bösen geschieht dabei täglich, meist nachts wenn niemand hinschaut oder auch nur im Ansatz damit rechnet. Die furchtbare Konsequenz ist nun folglich, dass sich die Grapefruit (dieser Dreck!) wie ein Parasit in die Einkaufstüten der Organgenliebhaber einschleust – einzig allein aus dem Grunde, dem „Wirt“ fortan das Leben zur Hölle zu machen. Welch übles Gesindel!

Jeder, der bereits irrtümlicher Weise die Bekanntschaft mit dieser gotteslästerlichen Mistkreation gemacht hat, wird mir hoffentlich zustimmen: Der geschmackliche Terror, den dieses Obst verbreitet, lässt sich allerhöchstens mit Begriffen wie absurd, vernichtend oder meinetwegen auch grotesk umschreiben. Nichts (aber auch gar nichts) rechtfertigt den Verzehr von solch extremen Bitterstoffansammlungen. Wir leben in einer modernen Welt – Vitamin C bekommen wir von zahllosen anderen Quellen. Menschliche Folter ist in unseren Breitengraden ebenfalls obsolet.

Warum also rotten wir diese verlogene Lumpenfrucht nicht ein für alle Mal aus? Wir sollten auf die Macht der Masse setzen und die Demokratie in dieser Hinsicht vollkommen außer Acht lassen. Unter uns weilen grob geschätzt lediglich 3-5% geschmacksverirrte, psychopathisch gestörte Individuen, welche sich für den Erhalt der Grapefruit einsetzen würden. Diese Menschen sind leicht auszumachen, da sich sich offenbar AUSNAHMSLOS von Grapefruits (VERDAMMTNOCHEINS!) ernähren. Jedenfalls immer dann, wenn im Büro Mittagspause herrscht und man gerade hinschaut. Bereits STUNDEN vor Beginn der Mahlzeit wird die Frucht bereits GUT SICHTBAR auf dem Tisch platziert, damit es auch JEDER mitbekommt. Die Psychopathen erhoffen sich daraus offensichtlich eine gewisse Form von Neugierde beim nahegelegenen menschlichen Umfeld hervorzurufen. Manch dümmlicher (oder einfach unaufgeklärter) Mitmensch erkundigt sich daraufhin nach Geschmack und Konsistenz dieser äußerlich doch recht ansehnlichen Frucht. Der psychopathisch Gestörte gibt sich in nahezu 100% der Fälle erfreut und überreicht dem Unaufgeklärten zügig Löffel und/oder Gabel. Auf Fragen wie „ist das bitter?“ erwidert der Gestörte lediglich ein „Bitter? haha nein. Das schmeckt klasse!“

Der Dümmliche wird daraufhin die Grapefruit verköstigen und bis an sein Lebensende von Angst begleitet werden.

Leider ereignen sich Szenen dieser Art noch immer viel zu oft. Stellenweise wurde bereits von KINDERN (!) berichtet, welche plötzlich Grapefruithälften in ihren Tupperdosen vorfanden, die wohl am Abend zuvor von gestörten Erziehungsberechtigten heimlich dort deponiert wurden. Meist lässt sich nicht genau ausmachen, auf welchen Hintergründen dieser fanatische Hass gegen die eigenen Kinder beruht, da sich die gestörten Erziehungsberechtigten stets völlig uneinsichtig geben.

EHG

Nischenmusik hat ja bekanntlich immer das Problem, dass es sich um Nischenmusik handelt. Dementsprechend findet selbige wenig Anklang bei der Gruppierung Mensch, die Musik als eine-von-vielen-Tätigkeiten ansieht, der man ja ganz vielleicht mal für ne halbe Stunde beiwohnen könnte. Aber nicht zu laut und nur dann, wenn man nebenbei den Haushalt schmeisst oder die Briefmarkensammlung sortiert. Quasi als Sounduntermalung des gewöhnlichen Tagesablaufs. Es darf nicht zu aufdringlich, zu chaotisch oder zu wirr werden, sonst kann man sich nicht konzentratonanieren und alles ist ganz fürchterlich und huihuiui. Deshalb ist und bleibt es Nische oder auch, um es mit anderen Worten zu sagen, kompletter Underground. Okay, zugegeben – Viele Bands sind auch aufgrund ihrer generellen Bekacktheit Underground. Diese meint der Autor hier aber explizit nicht!

Dann gibt’s die Sorte Band, die für ihre Verhältnisse zu lange im Underground herumdümpeln und diese beginnen früher oder später damit, sich von ihren Wurzeln zu verabschieden um eine breitere Masse anzusprechen. Volbeat Manche von denen landen dann irgendwann bei NDR2 im Mittagsprogramm, produzieren ein weiteres Album und verschwinden dann in der Versenkung. Andere Machine Head  kommen aus dem Underground raus, weil sie plötzlich einen übertriebenen Quantensprung hinlegen, ihre Roots (klingt cooler!) beibehalten und auf einmal die fettesten Hallen füllen.

Und dann gibts da diese eine Band, die auf alles einen utopisch großen Haufen setzt und schlicht das macht, was sie auch schon am ersten Tag gemacht haben: Verwüstung. Ich spreche von EYEHATEGOD. Die Jungs *räusper* Herren klingen auch nach 28 Jahren noch exakt so grottenschlecht produziert, wie auf ihrer ersten Demo. keinerlei Fortschritt, weder spielerisch, noch lyrisch. Lightshows? Haben die nich. Große Hallen? Nö. Keine neuen Einflüsse in irgendeiner Form. Sogar das Knacksen und Rauschen auf ihren Platten ist noch da. Benimmregeln sind ebenfalls nach fast 30 Jahren noch immer nicht bei den Leuten angekommen. Und ganz nebenbei begründen die dann ein gesamtes Genre mit ihrem Sound – den Sludge.

Mein erster Kontakt mit EHG ist irgendwo in den späten 90ern zu finden. Nicht weil ich die Band gehört hätte oder so – Phil Anselmo trug im Video zu Pantera’s „I’m Broken“ schlicht und ergreifend ein T-Shirt von denen. Und das musste ja dann irgendwie geil sein, weil alles was der Mann bis dato gemacht hat geil war. In den 90ern war es halt nur relativ problematisch, Musik im Internet anzuhören. Weil es das nämlich kein Internet gab. Jedenfalls kein YouTube, geschweige denn Spotify oder wie der ganze Käse auch immer heissen mag. Also fragte man halt wild durch die Gegend und erntete nur seltsame Blicke. Niemand kannte die. Nix, nada.

Irgendwann später, es war auf VIVA (Metalla mit Markus Kafka, was damals die Offenbarung war) lief dann äußerst merkwürdige, rumpelig zornige, Musik mit Geschrei und viel Geboller. Und am Ende stand da unten drunter, dass es EYEHATEGOD war. Ich las das und mir fiel vor lauter Enttäuschung die Pommes aus der Hand. Das war jetzt EHG, von denen Phil Anselmo (!), der bei PANTERA ist (!!!), ein T-Shirt (!!!11) trägt?! WHAT THE FUCK! Und so blieb das die nächsten 10 Jahre dann auch.

Warum ich dann später doch wieder in Kontakt mit EHG kam, kann ich eigentlich gar nicht mehr sagen. Es war wohl ein Prozess, der sich schleichend mit der ganzen Doom- und Stonermaterie in mein Leben drückte. Irgendwie habe ich es immer mal wieder probiert, Gefallen an diesem doch sehr einzigartigen Sound zu finden. Der Trick war letztlich wohl einfach nur die Lautstärke und wohl auch die Offenheit gegenüber destruktiver Kunst bzw. die Akzeptanz von totaler Brachialität. Es machte irgendwie „Klick“ und wenig später fand ich mich auf einem Konzert im Osnabrücker Bastard Club (grässlicher Laden!) wider. Zusammen mit meiner Begleitung haben wie uns die Show angesehen und direkt verspührt, wieso diese Band solch eingefleischte Hardcorefans hat. Das was auf dem EHG Konzert abging war einer nur eine 90 minütige Planierraupe, die sich permanent auf der Amygdala im Gehirn um die eigene Achse drehte. Es war pure Verwüstung und ein so dermaßen absurdes Erlebnis, dass ich unbedingt noch einmal mitmachen möchte.

Selten zuvor habe ich einen zerstörteren Frontman wie Chris Hillard gesehen. Man sieht dem Kerl sein vergangenes Leben regelrecht an.

Courtesy of Dean Karr

 

 

………..None of these bands are about the albums. Go see them, and you’ll get it.

Heimwerkerei

Vor einigen Jahren habe ich mir mal Lautsprecher gebaut, die ganz wunderbar waren (und sind). Dann hatte ich zwei kleine Kätzchen – Die besten Kätzchen von allen Kätzchen auf der Welt. Mein Gott habe ich diese beiden Racker geliebt. Aber weil es Katzen waren, machen die nunmal auch viel kaputt. Insbesondere dann, wenn die noch ganz klein sind und ihre Revierkämpfe in der Wohnung ausüben. Das ist völlig okay mit den Kämpfen und ebenso okay ist es, wenn Dinge zu Bruch gehen, weil es nunmal nur Dinge sind. Dinge kann man völlig emotionslos ersetzen. Dinge fallen zu 100ten vom Fliessband und wenn man das erstmal begreift, ist das auch alles nicht mehr so schlimm. Die Kätzchen haben niemals einen Menschen getötet oder so – Das wäre nämlich tatsächlich problematisch. Wie auch immer. Katzen zerstören alles und daher waren auch meine Lautsprecher betroffen. Leider ist es bei DIY Lautsprechern so, dass man diese nicht einfach so neukaufen kann, da sie nunmal selbst gebaut wurden. Rund ein Jahr hatte ich daher komplett ruinierte Speaker in Betrieb. Die Frequenzweiche polterte nach mehreren Stürzen im Inneren der Speaker hin und her, das Holz ist an x Stellen gebrochen und ich flickte die Dinger immer und immer wieder mit Nägeln und Schrauben zusammen. Der Lack sah aus wie nach einem Bombenattentat, Die Karlotten sind teilweise eingerissen und die Dinger schnarrten und rumpelten ohne Ende.

Nun habe ich derzeit ein wenig mehr Zeit als andere Menschen und deshalb dachte ich mir „machste halt mal neu“. Zum Glück hatte ich noch im Hinterkopf, wie mein damaliger Bauplan hiess und mittels der Wayback Machine konnte ich den tatsächlich nochmal ausfindig machen. Ich hab damals dafür Geld bezahlt und man soll diesen nicht veröffentlichen, daher bitte ich um stillschweigende Contenance.

Wie auch immer. Ich hatte den Bauplan und die Weichen waren mehr oder weniger noch intakt. Also fehlte es in erster Linie nur an Holz, was kein grösseres Problem darstellte. Schliesslich gibts das in jedem Baumarkt für kleines Geld. Darüber hinaus bekommt man in Dienstleistungs-Deutschland einen kleinen Minion zur Seite gestellt, der einem das Ganze dann sogar passend zusägt. Und wenn man sich dann noch gut mit dem Minion versteht, etwas rumscherzt und sogar Lakritze dabei hat, kriegt man das alles sogar nochmal vergünstigt. Danke an dieser Stelle, Tom.

Dann transportiert man den ganzen Zuschnitt inklusive ner Pulle Ponal im Auto nach Hause und versaut sich erstmal die ganze Karre mit feinem Sägemehl. 

Die Gehäuse sind recht schnell zusammengezimmert, da der Aufbau recht simpel ist. Ob man nun tatsächlich MDF Platten benötigt sei mal dahingestellt. Ich habe lediglich im voraus gedacht, da sich diese halt einfach besser finishen lassen, als dieser hässliche Grobspan.

Wie gesagt. Das Verleimen ist easy. Aus Komfortgründen habe ich das direkt im Wohnzimmer gemacht, weil man da Musik hören kann.

Nun folgte das elendige Verspachteln und schleifen der Schnittkanten. Ich bin nach wie vor zu doof dazu, Holz auf Gehrung zu schneiden. Mir fehlen da schlicht und ergreifend die Machinen zu, daher hab ich das Ganze auf Stoß verleimt. Nun ist es so, dass die Stoßkanten später beim Lackieren, den Lack wesentlich stärker aufsaugen, als die restlichen Flächen. Irgendwann passiert es somit, dass sich die Kanten im Lack absetzen werden. Daher fülle ich die Stoßkanten mehrere Male mit MDF Füller und schleife diese planar. Das ist eine fürchterliche Arbeit, aber anders wusste ich mir nicht zu helfen.

Schleifen, füllen, schleifen, füllen, schleifen, füllen. Ätzend. Aber auf diesem Foto sieht man recht gut, wie die Stoßkanten mehr und mehr verschwinden. Es ist ein langwieriger Prozess. Aber das Wetter war halt klasse. Allemal besser als in der Wohnung dahinzuvegetieren.

Jetzt wirds cool. Ich musste die Löcher für die Chassis in die Frontplatte kriegen und das war damals ein absoluter Krampf. Also telefonierte ich ein paar Tischlereien ab von denen ich wusste, dass die eine CNC Fräse haben. Ich fragte, ob die mir das da reinfräsen würden und was das denn wohl kosten soll. Die Preise gingen von 20€ bis 70€ (ernsthaft?!). In einer Tischlerei, deren Namen ich nicht nenne, sagte mir der Typ am Telefon nach einem verdammt lustigen Gespräch, dass er sich momentan eh so alleine fühlen würde, weil er irgendwas verbockt hätte und deshalb alleine alles nacharbeiten müsste. Und weil sein Chef sich am Wochenende eh nicht aus dem Bett bemüht, würde er sich freuen wenn da noch jemand anwesend wäre. Und das war dann quasi auch die ganze Bezahlung.

Ich hatte eine gesamte Werkstatt für mich allein. Leider stellte sich im Nachhinein heraus, dass der nette Typ am Telefon ein ekliges, rassistisches Arschloch war und wir verstanden uns gegen Ende nur noch bedingt gut. Aber es reichte aus, um die Löcher zu fräsen und die Speaker an weiteren Stellen mit futuristischen Werkzeugen weiter zu verbessern.

Leider habe ich mich bei den Fräsungen etwas verschätzt und die Löcher waren stellenweise zu nah an der Aussenkante der Bretter. Bei einer Platte platzte mir dann ein Stück heraus, was sich aber noch recht gut verspachteln lies.

Also ging es wieder ans Verleimen. Alles gut soweit. Mir macht das wirklich Spaß 🙂

Danach folgte dann erst ein Besuch eines Elektrofestivals. Mein allererstes Elektrofestival überhaupt. Obwohl ich wirklich ernsthafte Probleme mit der Musik hatte, war das eine tolle Erfahrung und ich machte einige coole Bekanntschaften. Später hab ich dann noch ein wenig Lebenshilfe betrieben und einen alten Bekannten in einem 3 stündigen Gespräch etwas aufgebaut. Es ist schön für andere da sein zu können. Und ein ehrlich gemeintes „Danke“ zu hören erfüllt mich immer wieder mit Glück.

Einige Tage später war ich erneut nicht zuhause und nächtigte auswärts. Zuvor habe ich damit begonnen, die Lautsprecher zu grundieren und zum Trocknen auf den Balkon zu stellen.

Mich überkam schon ein mulmiges Gefühl, da es an diesem Abend nach Regen aussah. Und so kam es dann auch. Als ich aus Angst kurz zurückfuhr, um nach den Speakern zu sehen, waren diese bereits aufgequollen und… nunja… komplett im Arsch. Meine Laune fiel kurzzeitig in den Keller und ich schmiss die ganze Scheiße gefrustet in die Tonne. Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt mit dem ganzen Vorhaben abgeschlossen. Einige Tage später dachte ich mir dann aber doch „Na und? Fehler passieren. Machste halt nochmal von vorn.“

Und so kam es dann auch. Ich startete wieder bei 0. Manchmal ist das halt so im Leben. Dinge gehen schief. Scheiß einfach drauf. Zwei Tage später war ich dann wieder auf dem gleichen stand wie zuvor. Ich mied lediglich die Nazitischlerei und zahlte einen Zwanziger für die Fräsung.

Allerdings lernte ich später durch Zufall einen Zimmerer kennen der mit anbot, die Kanten der Lautsprecher zu fasen. Das Angebot habe ich gerne angenommen und so besuchte ich ihn bei Woodworks in seiner Werkstatt. Unglaublich toller Typ 🙂

Dadurch, dass ich nun eine Fasung an den Boxen habe, musste ich erneut die Kanten verspachteln, was etwas nervig war. Aber hey, ich hatte eine Fasung für umme. Und so ist das halt. Man weiss nie, wofür es gut ist. Hätte ich die alten Dinger nicht im Regen stehen gelassen, hätte ich ich nicht neu angefangen, hätte ich den Zimmerer nicht kennengelernt, hätte ich nun keine Fasung. Egal was passiert, Du weisst nie wofür es gut ist. So ist das bei allem. Das wusste schon Buddah… nein, eigentlich ist dieser Gedanke sogar von ihm.

Wie auch immer. Nun folgte der grausamste Teil. Das Schleifen, das erneute Spachteln, das Schleifen, das Lackieren, das Spachteln, das Schleifen, das Spachteln, das Lackieren, Spachteln, Schleifen. Alles in der Garage. Ich lernte, dass ich beim nächsten Mal Atemmasken nutzen sollte.

Es war eine unfassbar nervige Angelegenheit. Und ich hatte lediglich Sprühdosen aus dem Baumarkt zur Verfügung, was normalerweise zu einem grausigen Ergebnis führt. Jedoch habe ich mich bei einem Lackierer über diverse Techniken informiert und somit habe ich glaube ich das Maximum herausgeholt, was ging. Was gut ist. Ich bin jedenfalls bis auf einige Kleinigkeiten sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

Nun ging es an die Weiche. Ich habe die Teile zum Großteil aus den alten Lautsprechern übernommen. Lediglich eine Widerstände habe ich getauscht. Für eine PCB war ich zu geizig, daher hab ich den ganzen Elektrokram auf ein siffiges Pappbrett geklebt, was irgendwo rumlag. Ich gebe zu, dass ganze sieht aus wie Kraut und Rüben – Aber es funktioniert halt. Und die Weiche wird eh niemals jemand zu Gesicht bekommen, von daher ist es auch völlig egal wie es aussieht.

 

Meistens, ja wirklich meistens.

Ich verbring zu wenig Zeit auf der Straße
Mit einem Transparent in der Hand
Und ich häng zu viel an der Bar rum
Mit einem Getränk in der Hand

Es sind meistens im Winter weniger Menschen auf einer Demo
Und im Sommer ist es genauso
Denn dann sind sie am See oder in einem Park oder einfach im Urlaub

Und wir sind meistens nicht traurig
Die Gefühle sind einfach nur taub
Und dass täglich Menschen verrecken an den Grenzen der Welt
War sowieso klar

So interessiert’s uns nicht wirklich
Wir saufen und fressen uns lieber ins Koma
Wir sind zu faul uns zu wehren und zu träge zu reden
Zu betäubt, um uns zu verstehen und zu bequem um zu gehen

Dabei ist meistens der Grad zwischen Ableben und Leben
So schmal wie fatal, darauf keinen Fick mehr zu geben
Auch wenn das uninteressant ist, im Fernsehen gibt es alles zu sehen
Hauptsächlich unrelevantes, was alle Menschen bewegt

Meistens, ja wirklich meistens
Haben alle Menschen ein bisschen Scheiße im Hirn

Wir haben so vieles vergessen, was eigentlich einmal so wichtig gewesen ist
Meistens [auch], sich erheblich zu stressen
Für ein unbequemeres Leben, bis zum bitteren Ende
In einem Haufen Konfetti stehen so viele in einem glitzernden Regen
Breiten ihre Arme aus

Bitte nicht mit Flaggen hantieren, bitte alle Flaggen ausblenden
Bitte alle Flaggen verlieren, denn meistens gibt es keine Wende
Meistens besticht es doch längst nicht durch Umsicht
Dass man sich umsieht, nach Auswegen und endlich neuen Plänen
Es gibt nicht entweder falsch oder richtig, es gibt nur einen Weg
Und der Rest ist nicht wichtig, meistens zerbricht Licht beim Aufprall
Und verliert sich, man verliert sich selbst
Am Ende folgt der letzten Nacht doch noch ein neuer Tag
Doch das ist längst egal, längst schon egal

Meistens, ja wirklich meistens
Haben alle Menschen ein bisschen Scheiße im Hirn

Urlaub in Deutschland.

Man muss nicht weit weg, um fantastische Orte zu erleben. Deutschland hat eine ganze Palette davon zu bieten. Den Harz besuchte ich bereits letztes Jahr im Sommer, daher folgte nun der Planet Bayern.

Es war wundervoll der Natur und dem Himmel so nah zu sein.

 

Anfang.

Und da haben wir auch schon den Salat. Eben noch jetzt und nun ist es auch schon heute: 2018 ist gestartet und irgendwie ist immer noch alles die gleiche Plörre wie eh und je. Da wurden wohl nicht genug Milliarden von Euro in den Himmel geschossen oder nicht genug gute Rutschen gewünscht. Schlimm aber auch, das. Davon mal ab: Was soll das eigentlich, jemandem einen guten Rutsch zu wünschen? Was für ein Rutsch ist da gemeint? Ich bin noch nie irgendwo hingerutscht und wüsste auch nicht, warum man sowas machen sollte. Wie auch immer.

«2018 startete mit einem Montag.»

Diesen Satz habe ich siebenundzwanzigmillionen mal auf Twitter gelesen – Amüsanter wurde er allerdings in der vierundsiebzigtausendsten Wiederholung auch nicht so wirklich. Jedoch ist dieser Tweet streng genommen ebenso belanglos, wie das Thema der guten Vorsätze im Allgemeinen. Noch belangloser ist jedoch das grundsätzliche Vorhaben, die guten Vorsätze öffentlich im Internet zu teilen. Deshalb möchte ich nun von diesen Vorsätzen erzählen. Zumindest von einigen, die ich für mich selbst nicht als privat einstufe. Die privaten bleiben dort, wo sie hingehören: Nicht bei euch.

Generell erklärte ich gestern Nacht gegen Viertel nach Elf, als ich gitarrenspielend auf dem Sofa einer Freundin saß, 2018 zum Tocotronic-Jahr™. Warum das? Zum Einen, weil ich diese Band aus tiefstem Herzen aufgrund ihrer Texte verehre. Die sind fantastisch tiefgründig, melancholisch, manchmal anstrengend, stellenweise lustig aber nie unbedacht und eine große Menge Frust steckt ebenso in ihnen. Man muss sich mit den Texten und Aussagen auseinandersetzen und es ist alles darin enthalten, bis auf Oberflächlichkeit. Irgendwie fühle ich mich selbst als menschliche Person genauso in dieser Welt. Diffus inkompatibel eben, oder nennt es hinterfragender, weniger schluckend, wie auch immer. Und weil ich mich in Tocotronic’s Musik so verlieren kann fragte ich mich, wieso ich nicht einfach mehr Songs von den Jungs auf der Gitarre einstudiere. Und wenig später stellte ich mir selbst die Frage, warum ich seit knapp zwei Monaten die Gitarre gar nicht mehr wirklich herausgeholt habe, obwohl ich mit der guten Anna so viele wundervolle Stunden damit hatte. Generell gehört für mich die Zeit, in der zwei Menschen zusammen singen und musizieren, zu den wunderbarsten Momente, die man so erleben kann. Wir haben irgendwann damit angefangen uns dem Serien gucken zu widmen, was wirklich nicht cool ist im Vergleich. Denn Serien gucken ist tote Zeit. Vielleicht spannend und unterhaltsam, aber mehr auch nicht. Vielleicht ist dumpf der richtige Ausdruck dafür. Beim gemeinsamen Gitarre spielen bildet man eine Einheit, man lernt zusammen zu funktionieren und es entsteht dieser spezielle „Vibe“ dazwischen. Man beginnt wirklich zu lachen, wenn der Andere etwas verkackt, sich geniert oder das 15te Mal den identischen Fehler macht und grinst nicht nur, weil im Fernsehen irgendwas läuft, was jetzt geplant witzig ist.

Somit ist mein erster Vorsatz der, dass ich dieses Jahr möglichst viele Tocotronic Songs einübe. Auf der Gitarre. Und mit dem Mund.

Der zweite Vorsatz entstand aus einer totalen Leere heraus, die ich seit langer Zeit verspürte. Ich war zuvor ständig unterwegs, nahm jedes erdenkliche Konzert mit, ganz gleich wie weit es zu fahren galt und auch egal, ob mir die Band nun viel bedeutete oder nicht. Vielleicht lernt man sie ja durch den Konzertbesuch lieben, was oft genug geschah. Ich probierte ständig Unbekanntes aus, besuchte alle erdenklichen Freizeitparks, hockte auf Festivalwiesen an Orten dessen Namen ich nicht kenne, setzte mich kulturellen Krempel aus, besuchte Ausstellungen, Theater, Musicals, geschichtsträchtige Orte, ging Zeug im Wald sammeln und verarbeitete das dann zu Lebensmitteln und weiß der Teufel was noch … Und dann hörte das alles plötzlich auf und ich fand mich mehr und mehr auf dem Sofa wider, schaute Dokumentationen, Filme, Serien, futterte und trank mich dabei pummelig. Langsam entwich die Euphorie meinem Leben, die mich eigentlich immer definierte und jeden Anderen ebenso definieren sollte. Dieses Thema habe ich bereits schon länger in Angriff genommen, es soll aber im neuen Jahr noch  weitergeführt werden.

Daher heißt es ab nun: Mindestens einmal im Monat Kultur in beliebiger Form mitnehmen, während Aktivitäten wie Kino oder Essen gehen nicht dazugehören. Und zeitgleich wird mindestens einmal alle zwei Monate etwas gemacht, was ich noch nie zuvor ausprobiert habe. Ich denke das ist realistisch. Im Theater war ich übrigens am 2.1. bereits. Das war schön, eigentlich sogar ich mehr als das. Konzerttickets sind auch bereits einige vorliegend und festivalmäßig befinde ich mich (noch und wieder) in der Auslosung für die Fusion. Das Desertfest wird dabei so oder so heimgesucht. Drückt mal die Daumen, dass ich dabei sein werde.

Dritter Vorsatz: Wie unter den Erläuterungen des zweiten Vorsatzes bereits erwähnt, fand ich mich in der freien Zeit plötzlich zunehmend in dumpfen Momenten wieder. Ich schlenderte viel durch Einkaufspassagen, lief durch Geschäfte, glotzte Kram an, nahm Kram in die Hand und erwarb Kram, den ich dann in die Küche stellte, ins Regal stellte oder in den Schrank hing. Konsumwille schlich sich langsam in mein Leben und wurde zu einem Teil dessen. Es ist fast schon beschämend, wieviel Geld ich für Quatsch ausgegeben habe. Darunter war soviel Technikfirlefanz und soviel Zeug, den wirklich niemand braucht, der aber stets hochwertig sein musste, …weil, ja… weil es vielleicht ein kurzes Glücksgefühl zur Folge hat, welches mir irgendetwas vorgaukelte, was ich unterbewusst irgendwo auf einem Plakat oder woanders vorgelebt wurde. Wieviele überflüssige Kleidungsstücke ich allein besitze, die fröhlich vor sich hin gammeln. Immer schön von der Stange, denn Kleider machen Leute in der Welt der Verlorenen. Wieviel Schwachsinn ich mir auf  Konsolen kaufte, den ich im Grunde niemals wirklich gespielt habe.  Und wieso bezahle ich Geld für Dienste wie Spotify? Ich höre doch eh hauptsächlich Vinyls, die sowieso um ein vielfaches besser klingen. Warum habe ich ein Netflix Abo, obwohl ich überhaupt keine Filme und Serien mehr schaue?! Wieso besitze ich Küchengeräte, die in der Gastronomie Verwendung finden? Ich bin keine Gastronomie. Warum kann ich mittels Sprache das Licht steuern? Wieso redet hier überhaupt eine Sprachsynthese mit mir? Und warum zum Kuckuck nochmal besitze ich einen Desktop PC, ein Notebook, ein Handy und ein iPad? Wieso kaufe ich für Geld Dekorationsmaterial, welches einzig und allein dazu dient, dumm in der Gegend herumzustehen und mir auf den Nerv zu gehen?! Draußen liegt soviel schöneres Zeug herum. Wieso bastel‘ ich kaum noch etwas eigenes? Etwas mit Herzblut, was nicht wie vom Fliessband aussieht und einmalig ist? Warum? Richtig. Weil man alles kaufen kann und das ja so wunderbar unproblematisch ist. Warum habe ich ein fatales Markendenken entwickelt und bewerte sämtliche Produkte bereits im Vorfeld an diesem nichts und wieder nichts sagendem Kriterium, um am Ende über die doch angeblich so hochwertige und Qualität enttäuscht zu werden? Und wieso kaufe ich nach einer Enttäuschung beim nächsten mal wieder etwas von einem dieser Hersteller? Und das allerkaputteste: Wieso mache ich mir mittlerweile Gedanken über Organisationsmöglichkeiten betreffend der Verstauung dieses ganzen überflüssigen Krempels? Richtig, weil alles einfach viel zu viel ist. Du besitzt keinen Kram, sondern der Kram besitzt dich irgendwann. Nicht die Menschen rauben dir Zeit, sondern der Blödsinn,  den du dir Woche für Woche in die Bude räumst.

Deshalb: Keinerlei überflüssigen Mist mehr erwerben. Insbesondere keine Dekoartikel. Wenn, dann selber machen. Und für jedes gekaufte Teil werden zwei alte Teile in den Schredder geschmissen, verschenkt, gespendet oder verkauft. Geld wird in Erlebnisse gesteckt, denn das ist das Einzige, was einen Menschen bereichert. Und mein gitarre-spielender, spanischer Lieblings-Obdachloser aus der Kamp-Promenade in der Osnabrücker Innenstadt freut sich nun über einen Rucksack mit Dingen, die ich nicht mehr benötige.

Weitere Vorsätze: Es wird ab Mitte des Jahres Klavier gelernt. Nicht auf einem superduperweissdergeierwas E-Piano, sondern auf einem Plastik-Midi Keyboard, dass hier seit Jahren vor sich hinstaubt. Ich habe nie zuvor in meinem Leben eine Klaviatur benutzt und somit ist es das egalste auf der Welt, wie und wo man sich die Grundlagen aneignet. Und zudem klingt das Teil aufgrund meiner fehlenden Piano-Gehörbildung ohnehin gleichwertig oder sogar besser, als ein 5000€ teures Piano aus dem Geschäft. Ich habe schliesslich sämtliche Vst-Instrumente dieses Planeten auf meinem/meinen Computer(n).

Dann wird der Motorradschein im ersten Drittel des Jahres fertiggemacht, zumindest der theoretische Teil, denn das Wetter für den praktischen habe ich nicht unter Kontrolle. Und dann wird im Idealfall die Alpenstraße abgefahren mit einem guten Menschen. Idealfall deshalb, weil ich keine Ahnung habe wie sicher ich mich auf dem Ding bis dahin fühlen werde und das alles leider nicht ganz ungefährlich ist.

Zu guter Letzt: Sich bemalen lassen. Es ist einfach nicht schön, weiss zu sein.

Der Rest ist geheim 🙂

Ende.

Tschüss 2017.

Auf nimmer Wiedersehen.

Au revoir und Goodbye.

Du warst kein gutes Jahr, ähnlich wie dein großer Bruder zuvor. Du warst geprägt von Verlusten und Enttäuschungen, sowie von Enttäuschungen direkt nach Verlusten. Aber du warst auch ein großer Lehrer in so vielen Bereichen. Und ihr – liebes hässliches 2017 und deine menschlichen, ausführenden Vertreter – habt hier nichts kaputtgekriegt. Im Gegenteil, liebes hässliches 2017, du hast mir Ängste genommen. Meine Seele ist zwar unter Spannung, aber jede Narbe, die du in meine Brust gebissen hast, hat nun eine Geschichte zu erzählen, die zukünftig wie eine Panzerung dienen wird.

Ich hatte viel Zeit.

Zeit, um mir Gedanken zu machen, mehr als eintausend mal in mich zu gehen und bereits in mir schlummernde Fähigkeiten wieder zu entdecken und auszuarbeiten. Allem voran steht die Kraft, durch die Gesichter von Menschen zu blicken und das zu erkennen, was hinter der Schminke, der Haut, der Parfümierung und sonstigen Äußerlichkeiten steckt. Das zu hören, was zwischen ihren Sprechpausen gesagt wird und das zu spüren, was unter ihrer Brust schreit, sofern da noch etwas schreit. Ich hatte mit so vielen Personengruppen zu tun… darunter Opfer, Täter, Psychologen, guten Leute, schlechte Leute, wunderbare Leuten und besonders auch mit vielen alten Leuten. (Es ist erstaunlich wie einfach es beim Wandern in der Natur ist, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen und jeder einzelne von ihnen kann auf seine Weise ein Mentor sein.)

Oberflächliche Verhaltensweisen, problematische Wertesysteme, Traditionsdenken und egoistische, narzisstische Charakterzüge alarmieren mich nun schneller als je zuvor, denn durch diese wurde mein persönliches 2017 dominiert. Meine Augen sahen viel vernichtendes Leid, vielleicht sogar mehr Leid, als manch anderer Mensch in seinem gesamten Leben präsentiert bekommt. Darunter tote Menschen, kraftlose Menschen, Unfälle, exzessive Gewaltangriffe – auch gegen meine Person, Unwahrheiten, Ignoranz und schließlich Gewissenlosigkeit und Dummheit. Nichts davon war aber so mies, wie ertragen zu müssen, dass Menschen sich dazu entschließen, sich selbst an erster Stelle zu sehen und einzig und allein für ihre eigenen Ziele einzustehen, statt diese zu teilen, jemandes Hand zu ergreifen oder gemeinsam stark zu sein. Dieses Verhalten gehört mittlerweile zum antrainierten Status Quo –  das ist mir durchaus bewusst – und zu einem gewissen Teil sicherlich auch in Ordnung. Jedoch sollte man seinen Blick niemals von seiner Umwelt abwenden, denn dort befinden sich weitere Menschen, von denen im Idealfall jeder ein Herz besitzt. Und wer bitteschön möchte wirklich eine Schneise aus Traurigkeit hinter sich lassen, täglich sein eigenes Spiegelbild ablecken und den lieben langen Tag mentale Trophäen von sich selbst polieren?

Viele, ich weiß.

Jedenfalls vermittelt mir das der Eindruck, den ich durch die sozialen Netzwerke, allem voran Instagram, Twitter und Youtube (ok, das sind alle relevanten), tagtäglich erhielt. Nur sind wir mal ehrlich… soziale Netzwerke haben mit dem echten Leben da draußen in etwa soviel gemein wie Säure mit Babybrei. Natürlich sind echte Menschen hinter den jeweiligen Accounts. Sie haben Gehirne, zwei Augen und eine Nase. Allerdings sind es gefilterte Menschen. Es sind lediglich Facetten, die – wenn überhaupt – nur eine Seite ihrer Existenz präsentieren. Und ob diese paar Prozent dessen, was sie dort präsentieren, etwas mit der Realität oder lediglich dem angestrebten Wunschdenken dieser Individuen zu tun hat, ist mehr als fragwürdig. Man kann es schlicht nicht wissen und alleine deshalb, weil es ungewiss ist, sollte man diese virtuellen Orte niemals zu seinem «Zuhause» machen, bzw. als mehr bewerten, was sie eigentlich sind: Schauspielhäuser.

Und noch wichtiger als das: Werde niemals selbst zum Schauspieler. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich war einer der besten in dieser Disziplin. Nicht im Internet, sondern da draußen im echten Leben. Ich verstellte mich viel zu oft und viel zu lange – offenbarte mich quasi nie, was zum Frustaufbau führte. Es ist nie alles schön. Und es ist nie alles schlecht. Aber egal was es ist – raus damit. Vertraue Dich anderen Menschen an. Immer und immer wieder. Und selbst wenn es peinlich sein sollte und deinen Selbststolz bröckeln lässt, wen interessierts? Was soll Selbststolz überhaupt sein? Ist es nicht eher der Eindruck eines Anderen, den er über dich haben könnte, weil sein Wertesystem mit dem eigenen kollidiert? Selbststolz ist doof.

Wenn der Mensch gegenüber ein guter ist, wird er dir zuhören, alles ernst nehmen, wertschätzen, sich Zeit nehmen und sich seine Gedanken machen. Er wird für dich da sein, ganz egal was es ist. Wenn es jedoch kein guter Mensch ist, wird er sich abwenden, um keine Energie zu verschwenden, die er für sich selbst benötigt und dann wird er irgendwann an dem Punkt angekommen sein, an dem du jetzt schon bist und ebenso auf Gehör hoffen. Oder er geht vorher in die Politik, gründet ne Firma oder lässt sich von einem Zug überfahren.

Sei ihnen immer einen Schritt voraus – nimm Dir Auszeiten, wann Du es für richtig hälst und mach dir Gedanken über deine Umwelt und vorallem über dich selbst. Höre anspruchsvolle Musik mit tiefen Texten, schaue dir keinen Bullshit im Fernsehen an, schaue am besten überhaupt kein Fernsehen, höre auf damit Nachrichten zu lesen, sondern benutz deine eigenen Augen, deinen eigenen Kopf. Besuche die Natur. Wo es still ist, wo keine Innenstädte mit den immer gleichen dumpfen Geschäften und Cafes sind. Dorthin, wo Geschrei, Hektik und Konsum keinen Platz eingeräumt bekommt. Wo du die Augen schließen kannst, ohne angestarrt zu werden. Und dann stell dich so oft es geht selbst in Frage.

Sage niemals «so bin ich jetzt gut!», denn dann war‘s das mit der Weiterentwicklung. Sei offen für alles. Probiere alles, lass nichts aus und beschränke dich nicht auf Aktivitäten, die “halt immer so waren». Das ist zugegebenermaßen nicht ganz bequem, aber der Output am Ende ist einfach nur großartig. Schaue dir niemals Verhaltensweisen bei anderen Menschen ab, sondern hole dir lediglich Inspirationen. Streiche Neid aus deinem Wortschatz, erfreue dich an Details und Kleinigkeiten, für die andere Menschen lange den Blick verloren haben und sei echt. Und zu guter Letzt nimm niemals ein Blatt vor dem Mund. Bei gar nichts.

Die wohl wichtigste Erkenntnis in diesem Jahr war allerdings die folgende: Versuche niemals einen Menschen zu ändern, der nicht du selbst bist. Weil es höchstwahrscheinlich nicht möglich sein wird. Und wenn du denkst, dass es möglich ist, dann unterstellt du ihm DEINE Intelligenz, bzw. einen Denkprozess, den DU SELBST womöglich bereits über Jahre durchgemacht hast, er aber nicht. Und deshalb ist es töricht es überhaupt zu versuchen. Stattdessen akzeptiere einfach die Auffassung des Anderen und versuche dich daran zurückzuerinnern, dass du ggf. selbst mal an der Stelle warst, wo er jetzt steht. Und dann sei für ihn da, wenn er vielleicht mal in Richtung einer Kreissäge rennt, pass auf ihn auf und stoße ihn zur Seite.

Die Person, die einen großen Teil zu jeder positiven Denkweise in schier nicht enden wollenden Gesprächen beitrug, war zeitgleich auch das größte Geschenk, dass ich dieses Jahr erhielt. Ich kenne diesen Menschen bereits seit einer halben Ewigkeit, aber so sehr wie dieses Jahr konnte uns noch keines zuvor zusammenschweißen. Es ist nicht mit Worten zu beschreiben, was für ein reines und echtes Herz die alte Hippiekuh besitzt und wieviel Kraft sie mir geschenkt hat.

Anna, danke.

Niemand war seit langer Zeit so sehr für mich da. Zu jeder Sekunde, mit jedem Atemzug und jedem Wimpernschlag wusste ich, dass irgendwo um die Ecke wartet um mich aufzufangen. Sie schiss mich zusammen, sie spendete mir Trost, während sie selber litt und sie hielt mir immer wieder knochentrocken vor Augen, was überhaupt Phase ist. Durch ihre Taten und die unsagbar große Masse an Worte und Schweigen setzte sich sich alles wie ein Puzzle zusammen. Wo es zuvor hieß «ich kann dir nicht helfen!» hieß es plötzlich «komm wir fahren an einen See und ich höre dir solange zu, bis du nicht mehr zu erzählen hast». Diese Person spendete mir innerhalb weniger Wochen soviel Kraft und heilte so viele Wunden wie ich in den letzten Jahren nicht geglaubt hätte, dass es überhaupt möglich sei. Und ich bin jederzeit dazu bereit ihr genau das und sogar noch mehr zurückzugeben, auch wenn ich es nach ihren Aussagen schon längst getan habe. Ich habe glaube ich nie jemanden als Engel bezeichnet, aber sie ist einer.

Und so verbrachten wir das gesamte Jahr fast täglich zusammen und erlebten die wahnsinnigsten und wundervollsten Zeiten. Und auch mein Patenkind wuchs mir mehr ans Herz als ich es jemals für möglich gehalten hätte, denn sie ist so unbeschreiblich echt, dass sich die Balken biegen. Ausnahmslos jedes andere Kind, dass ich in diesem Jahr kennenlernte hatte schon diese leichten Beschädigungen, die unsere Gesellschaft bzw. ihre Eltern ihnen vorleben. Diese Gier nach Eigentum, das Abhandenkommen von Phantasie, fragwürdige Erwartungen oder die Distanzierung von der Umwelt. Lya ist in jedem Belangen anders – Ihr Herz so groß wie das eines Dinosauriers und in jede Sekunde lehrt es mich mehr als 10 Jahre Schule es je hätten leisten können.

Wie gesagt (oder noch nicht gesagt), haben wir unendlich viel Schabernack getrieben, noch mehr haben wir allerdings geredet. Und es waren bestialisch tiefgründige Gespräche dabei, die ebenfalls zum Schönsten gehören, was mir je widerfahren is. Diese Gespräche führten u.a. zu den oben beschriebenen Erkenntnissen, die wirklich goldwert sind. Ebenso viel schwiegen wir. An allen möglichen, verballerten Orten. Wenn wir mitten in der Nacht mit den Fahrrädern über Stock und Stein zum Aussichtsturm fuhren, um von oben auf die Welt zu urinieren oder im Sturm auf selbigem eine Serie zu schauen. Oder bei irgendeiner dieser Spontanaktionen, wenn man sich im Herbst auf einem Campingplatz einquartiert und bei Temperaturen baden geht, bei denen jedes Körperteil abzusterben droht und anschließend bis 5 Uhr morgens auf klapprigen Stühlen dem Plätschern des Wassers zuhört.

Wann bist du das letzte mal auf einen Baum geklettert? Du weißt es nicht mehr? Wieso tust du es nicht einfach? Weil es kindisch ist? Weil deine Klamotten dreckig werden könnten? Denk einfach mal drüber nach, was aus dir geworden ist.

Wir besuchten endlich wieder mehr Konzerte, wirklich unglaublich schöne Konzerte. Gott waren diese Konzerte schön. Früchte des Zorns, Swiss, ZSK, Egotronic, Romano oder das Hurricane (es war großartig!) oder das Desertfest in Berlin (uuuuuuuunfassbar wundervoll!!!!). Ich/wir lernten einen Haufen Leute kennen, machten uns zum Affen, schrien, sangen und lebten. Andere Menschen benötigen ein Café, ein Ambiente, pompöses Essen oder anderweitigen Quatsch um sich das Trugbild eines Beisammenseins vorzugaukeln, was nach ewig gleichen, vorher festgelegten Schemata abläuft. Uns genügte stets irgendein halbwegs sauberer Platz im Gras und eine Gitarre. Fertig aus – der Rest ergibt sich. Ich war bereits schonmal an diesem Punkt im Leben, habe es scheinbar nur wieder vergessen. Zusammen entdeckten wir diese Superkraft neu.

Plötzlich hatte ich wieder soviel Kraft, als die Beziehung eines inzwischen sehr guten Freundes und einer sehr sehr guten Freundin vor die Hunde ging. Und ich hörte beiden zu. Immer und immer wieder. Ich ging mit jedem von ihnen spazieren, telefonierte Stunde um Stunde und sagte einfach immer wieder das, was mein Bauchgefühl mir diktierte. Nämlich, dass es im Leben dieser guten Menschen der größte Fehler wäre, den Anderen gehen zu lassen. Ok, und ich sagte, dass ich den Typen umbringen würde, wenn er es Noch einmal verkackt. Das meine ich sogar ernst.

Heute sind die beiden wieder ein Paar, waren zusammen in einem ewiglangen Kanu-Urlaub und ich bezweifle stark, dass das nochmal in die Hose geht. Ich bin sicherlich nicht dafür verantwortlich, dass die beiden wieder zusammen auf der Couch liegen, aber der ein oder andere Tritt in den Allerwertesten geht wohl doch auf meine Kappe, vermute ich.

Ich merkte weiter, dass es mir enorm gut tut meine Energie für Gutes zu opfern. Seitdem Spende ich monatlich für das Deutsche Institut für Lungenforschung e.V., verschenkte einen Haufen Klamotten, die ich eh nicht trage an Obdachlose, containerte an Supermärkten, half bei der Tafel oder begann damit, mich relativ intensiv mit meinem drogenkranken Nachbarn zu befassen. Lars starb im späteren Verlauf des Jahres an einer Überdosis Heroin auf einer Toilette in einem Restaurant in Köln. Die Nachricht traf mich wie ein Schlag in die Fresse. Und wieder war es Anna die bereit stand, während andere lediglich neugierig auf die Story gewesen sind.

Lars war ein herzensguter Mensch, auch wenn er eine nicht enden wollende Liste an Scheissaktivitäten hinter sich gelassen hat. Und er war anders, weil er immer mehr wollte und zu sehr in sich selbst vertaute (vielelicht sogar davonrennen wollte), bis das verfickte Heroin irgendwann die Macht übernommen hat. Er vertraute mir die persönlichsten Dinge an und selten zuvor habe ich soviel Dankbarkeit in den Augen eines Menschen dafür gesehen, einfach nur vor ihm zu sitzen und ihm wirklich ehrlich zuzuhören. Die Beisetzung war ekelerregend emotional und auf eine seltsame Weise auch schön. Anders eben. Heute noch stehe ich in engem Kontakt mit seinen Eltern und versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten Kraft zu geben.

Mitte des Jahres plante ich ursprünglich den Jakobsweg zu laufen. Leider klappte dieses Vorhaben aus Gründen, die ich mir selbst zuzuschreiben habe nicht. Stattdessen besuchte ich den Harz, die Schweiz, Rotterdam, Bayern, Bremerhaven und zum tausendsten Mal den Heidepark (allerdings zu Helloween. Das war nett und viel zu voll). Schließlich fand ich mich noch als Presseknilch auf der Gamescon wider, sprach dort mit wahnwitzigen Leute n und rebootete zuvor einen wirklich hübschen Podcast mit einer Handvoll netten Leuten, darunter ein „neuer“ Freund und einem jahrelangen Bekannten.

Später im Jahr entschied ich mich dazu, Motorradfahrer zu werden und kaufte spontan (also eigentlich mehr als spontan) ein entsprechendes motorisiertes Gefährt. Nochmals später verschuldete ich mich aus Gründen, s.o. und verzichte daher dieses Jahr auf den Erwerb der entsprechenden Fahrerlaubnis (und wegen Wetter).

Achso – und ich entschied mich zudem noch dazu, Elektriker zu werden und mir einen 3D Drucker selbst zu bauen. Zusammen mit Anna, die auch keine Ahnung hat, fummelten wir stundenlang etwas zusammen und im späteren Verlauf lötete und schraubte und friemelte ich rund einen Monat (bzw drei Monate) an diesem Teil herum. Jetzt funktioniert das Monster sogar, nachdem es mich das ein oder andere mal töten wollte. Ich bin also Captain Electric. Und weil ich Captain Electric bin, verbessere ich dieses alberne Teil stets weiter. Und jetzt liegt hier auch noch ein Laser rum, vor dem ich mich aber (noch) fürchte.

Du hässliches 2017 warst also auch gut zu mir.

Dennoch sitzen mir die Rückschläge des Jahres noch sehr in den Knochen, da diese einfach aus heiterem Himmel über mich hereinbrachen und ziemlich gnadenlos waren. Die guten Dinge, wie das Reisen waren natürlich wunderschön und spannend, aber wie Christopher McCandless schon niederschrieb «Glück ist nur echt, wenn man es teilt.»

Ich hoffe 2018 werde ich davon etwas davon teilen können und ich hoffe zudem, dass einige Menschen um mich herum langsam mal zur Besinnung kommen, die Schnellstraße verlassen und endlich mal wieder auf das kleine pochernde Ding in ihrer Brust hören. Es wird wirklich mal Zeit dafür und es ist nicht ohne Grund da drin. Sonst geht wirklich bald alles den Bach runter.

Und selbst wenn es so sein sollte – Ich werde mit einem Glas Wein auf einem Hügel sitzen und mir das Dilemma mit dem nötigen Abstand anschauen.

Hallo 2018, guten Rutsch (was ist das eigentlich für eine sinnbefreite Redewendung?) und Peace out!

Ich vs. Wir

Auf den billigen Plätzen
Haben wir gesessen, uns gefragt
Wie’s denn wohl sein muss
Wie es sein muss
Wenn man alles, alles hat, Hurra
Hurra, umgeben von dem Glanz
In Glanz gehüllt, in warme Decken
Alkohol und Antibiotika
Und Kopfschmerztabletten

Ich vs. Wir wurde es also getauft – Das fünfte Studioalben nach nunmehr 15 Jahren Bandgeschichte unter dem Label von Grand Hotel van Cleef. Kettcar sind somit nicht gerade Produktivitätsweltmeister hinsichtlich der Veröffentlichen neuer Alben, was allerdings völlig in Ordnung ist. Denn am Ende bekommt man genau stets das, was man sich erhoffte: Gnadenlos hochwertige Texte, die zum Nachdenken anregen und unsere allzu perfekte, abgestumpfte Welt hinterfragen, Fehlkonstruktionen bloßstellen, an den eigenen Charakter appellieren und auf Missstände hinweisen. All das verpackt in wundervoller musikalischer Ummantelung.

Das Album – nein das gesamte Projekt Kettcar vertritt eine Idee von Musik, die niemals sterben wird und die so wichtig ist, dass sich die Balken biegen. Denn durch Musik werden die persönlichen Emotionen angesprochen. Die Aussagen brennen sich in das Gehirn und arbeiten dort weiter. Gedanken bleiben und formen ein differenzierteres Bild, als ein anderes Medium je vollbringen könnte.

Bereits Opener Ankunftshalle präsentiert alles, was diese fantastische Band ausmacht. Wer hier nicht auf einer inneren Ebene berührt wird, hat ein Herz aus Stein. Zwei Menschen erlangen ihren erschütterten Glauben an die Menschheit wenigstens für einen kurzen Moment zurück, indem sie zum Flughafen fahren und die Leute beim Ankommen und Empfangen beobachten: „Die letzten Schritte und dann: Umarmen“.

Wohltuend kritisch und hinterfragend kommt Wagenburg daher. Die erste Singleauskopplung Sommer 89 ist eher ein Stück Zeitgeschichte als ein Song, der – wie ich kürzlich erfuhrt – Seitens meiner damaligen Uni ein Video produziert bekommen hat. Toll gemacht, Leute!

Treibend, mitreißend, schlichtweg stark wird dann Auf den billigen Plätzen präsentiert. Mein Lieblingssong auf dem Album ist jedoch Trostbrücke Süd, das ganz schlicht zur Sologitarre beginnt und sich im weiteren Verlauf zur Hymne entwickelt, mit einer der schönsten Instrumental-Linien des Albums. Das könnte für viele Kettcar-Fans ein neuer Lieblingssong werden, auch wegen des tollen Schlusses nach einer wirkungsvollen Kunstpause: „Wenn du das Radio ausmachst wird die Scheißmusik auch nicht besser.“

Das stimmt, und es stimmt auf vielen Ebenen: Teil von allem sein und bleiben. Nicht aufgeben. Wie genau man die Zeile interpretiert, bleibt dem Hörer selbst überlassen, aber es fällt schwer, daraus keine trotzige Hoffnung zu schöpfen. Der Song bewegt jedenfalls unglaublich viel in mir, vielleicht mehr als ich überhaupt möchte.

…und dann gucke ich die Fahrt über in die Gesichter
versunken im blaugrauen Smartphone-Gewitter
Nur die Frau über 40 dort rechts
liest „Geheimes Verlangen“, Band 6
Und sie träumt ihren Traum vom gefangenen Brautstrauß
Um 6:35 steigt sie am Jungfernstieg aus…

Das Gegenteil der Angst schlägt genau in diese Kerbe, bis letztlich Den Revolver entsichern das großartige Album beendet. Man wird etwas verloren und unbequem zurückgelassen, fühlt sich unbehaglich und leicht dekonstruiert. Halt das übliche Kettcar-Feeling, dass ich so sehr liebe.

Ich erklär‘ meinen Kindern, was ein guter Mensch ist
Mit Sätzen die heutzutage sonderbar klingen
Denk‘ an meinen Vater, hoff‘ dass ich besser bin
Erhäufe mein Herz im täglichen Ringen

Oft scheinen die Songs, wie die dunkle Mannschaftsaufstellung und das darauf folgende Gegenteil der Angst regelrecht aufeinander zu antworten. Das Talent der Band, in wenigen prägnanten Zeilen Geschichten zu erzählen, die man nicht vergisst, ist ungebrochen.

…Wo Egoschweine erst alleine
Und dann zusammen, nur an sich denkend
Sich zu einem Wir verlieren
Und jedes Wir sind viele Ichs…

Wenn Coolness bedeutet, dass einen nichts wirklich mehr tangiert, dann ist das hier die schönste Art der Uncoolness, die jemals erfunden wurde. Sie gewinnt Einem dieser Zyankalitage Schönheit, Wärme und Hoffnung ab – indem „sie“, die Masse, dann „einen Augenblick lang / Unsere Leute sind / Und für Sekundenbruchteile / Mal keine Meute sind“.

Politische Verödung und egozentrische Manie auf eine CD gepresst. Großartig – Danke Kettcar. Ich liebe diese Platte und hab sie tief in meinem Herzen verankert.


Zum Abschluss möchte ich euch natürlich auch nicht das finale Musikvideo zu Sommer ’89 inklusive Making Of der HSOWL vorenthalten:

Video:

Making Of:

Gamescom 2017

Zusammen mit einem guten Freund besuchte ich vor einigen Tagen die Gamescom in Köln. Wir haben erfreulicherweise aufgrund unseres Nerd-Hobby-Wirsindnochnichtzualt-Projekts Pixeltyp.de mehrere Presseakkreditierungen ergattern können, so dass wir bereits am Dienstag die Hallen betreten konnten.

Nun, wie wars? Ganz ehrlich? Eine Gamingmesse ist nicht meine Welt und wird es wohl auch niemals werden. Mich umgarnte pausenlos dieses Gefühl des Fremdseins. Ich weiß nicht, ob es an meiner Immunität gegenüber Marketingmaßnahmen geschuldet ist, oder ob da sogar Fremdscham mit reinspielte. Diese Ansammlungen von aufgedrehten Menschen, die für mich verloren in ihrer kleinen Welt herumirren. Das merkwürdige Leben in dieser kunterbunten Filterblase, die sich im Grunde auf nichts reduziert. Es war merkwürdig. Zumindest im öffentlichen Bereich. Wohl fühlte ich mich zu keiner Sekunde.

Die Businessarea hingegen war wesentlich erträglicher, obwohl es sich nunmal um eine Businessarea handelte. Hier und dort rannte uns mal ein grimmig- oder gestresst wirkender Pinguin in Anzug und Krawatte über den Weg, aber das war zu verkraften. Die Gespräche mit den Entwicklern waren spannend und interessant. Die Jungs waren grösstenteils sehr euphorisch, als sie uns ihre Produkte und Spiele präsentierten und man verspürte regelrecht das Herzblut, dass aus ihnen herausspritzte. Und alles geschah eigentlich durch die Bank in einer echt lockeren Atmosphäre, inkl. Bierangebote um 9 Uhr morgens. Es wurde geblödelt und sich selbst nicht allzu ernst genommen. Ich mochte es noch nie, wenn Menschen sich wichtiger verkaufen, als sie es tatsächlich sind. Und das war hier absolut nicht der Fall. Dennoch hat es der Ernsthaftigkeit der Interviews keinen Abriss getan.

Wir sprachen über Shadow, einem Cloud Computing Service, waren bei den Jungs von Sonic Forces und Mount and Blade II, schnackten mit der sympathischen Chrissi von Bonjwa, zockten Battlefront II an oder testeten das VR Game Moss (das war wirklich großartig!). Moss von Polyarc hat mich wirklich gepackt – Es mag evtl. daran liegen, dass man nicht jeden Tag eine VR Brille auf der Nase hat, aber insbesondere hat mich das Gespräch mit dem Developer ziemlich begeistert.Die Jungs gehen ein so großes Risiko mit dem Spiel ein und sie tun es einfach. Aus purer Überzeugung, die stärker wiegt als jede Sicherheit. Ich musste wirklich meinen Hut davor ziehen.

Letzten Endes besuchten wir dann noch einen kleinen Entwickler, der in erster Linie kein Spiel präsentierte, sondern vielmehr ein Gerät, welches zukünftig in sozialen Einrichtungen Platz finden könnte. Und ich hoffe, dass sie es dort hin schaffen. Es handelt sich dabei um einen Controller, der permanent die Herzfrequenz des Benutzers misst und mit diversen Bewegungssensoren ausgestattet ist. Du hälst diese Kugel halt vor dich und auf dem Bildschirm lief in unserem Fall eine Bogenschiessszene ab.

Das interessante ist nun, dass sich der Zielbereich, je nach Grad der Aufgeregtheit des Benutzers verkleinert oder erweitert. Wenn du also eine innere Ruhe findest, in dich gehst und entspannst, fällt es leichter das Ziel zu treffen. Die Jungs versuchen somit, durch das Ding eine Entspannungsreaktion beim Nutzer hervorzurufen. Einfach mal zur Ruhe kommen, dann sind deine Chancen auf Erfolg größer. Ich finde die Idee und die Umsetzung wirklich großartig, weil unserer Welt mittlerweile auf Stress gepolt ist, der als Normalität angesehen wird. Dir wird im Kindesalter beigebracht, wie du möglichst weit bringst, wie du Ehrgeiz und Anstrengung Erfolge erzielst. Niemand sagt dir allerdings, dass das Leben noch andere Facetten hat und das es ebenso wichtig ist, einfach mal runterzufahren.

Oder anders: Viele Menschen kennen diesen Zustand überhaupt nicht mehr. Menschen werden unruhig, wenn sie in einem stillen Raum sitzen, wenn sie nicht permanent visuell gefordert oder medial beschossen werden. Sie vergessen wie es ist, in sich zu gehen, ihrem Herzschlag zuzuhören oder sich auf eine Kleinigkeit, so unscheinbar auch immer sie ist, zu besinnen. Die therapeutischen Einrichtungen sind voll mit hibbeligen, hyperaktiven Gestalten, die an ihrer Zielstrebigkeit verzweifeln, dem Burnout entgegenrennen oder bereits einen hinter sich haben. So ein Beruhigungs-Gadget könnte somit eine wirklich tolle Alternative sein. Natürlich kann man sich auch einfach ein Buch zur Hand nehmen und sich in eine Hängematte legen, für viele Menschen ist das aber nicht fancy genug oder es kommen Sätze wie „ich schaffe es nicht, ein Buch zu lesen – dazu fehlt mir die Ruhe.“ Das gezeigte Produkt, der Simyball könnte dabei in eine Kerbe schlagen, die spielerisch ein mentales Training vermittelt.

Gute Sache, finde ich.

No more to say.